Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
wobei aufserdem aber auch noch andere Umwelts-Einflüsse in
Rechnung zu ziehen sind, welche ebenfalls auf die Erziehung
bald hemmend bald fördernd, erleichternd oder erschwerend oder
ausgleichend einwirken. Wie variabel aus derartigen Ursachen die
Einflüsse der Erziehung auch auf gewöhnliche, auf Durchschnitts-
Kinder sind, das lehrt ja die Erfahrung, die wir täglich zu machen
in der Lage sind. Man findet ausschweifende Kinder inmitten
guter Beispiele von Eltern, Geschwistern und Lehrern, ehrgeizige
in einer bescheidenen und friedlichen Umgebung, religiöse in
einem skeptischen und umgekehrt skeptische in einem religiösen
Familienkreise. So variabel wird der Einflufs der Er- ^
Ziehung durch sonstige Umwelts-Einwirkungen ge-
macht, dals man mit Fug und Recht daran zweifeln
kann, ob er überhaupt jemals irgendwo ausschlag- '
gebend ist, und dafs man keinesfalls irgend eine Gesetz- y
mäfsigkeit für ihn feststellen kann.
Aber die Bildsamkeit des Individuums läfst sich auch noch
von einem anderen als dem bisherigen Standpunkte aus betrachten,
nämlich im Rahmen der Bildsamkeit der Gattung. Zwei Fragen
sind hierbei zu beantworten, nämlich: 1. Ist innerhalb der Mensch-
heit in intellektueller und gemütlicher, im besonderen ethischer
Hinsicht anzuerkennen, dafs ein Fortschritt zum Höheren und
Besseren stattfindet? und: 2. Findet durch die soziale Entwicke-
lung im Menschengeschlechte eine Fortbildung der wesentlichen
Eigenschaften des Menschen zum intellektuell Höheren und sittlich
Besseren statt? Leider kann diese letzte Frage vorläufig noch
nicht, aus Mangel an zureichendem empirischen Material, mit ganz
befriedigender Sicherheit und Deutlichkeit beantwortet werden.
Jedoch lassen sich immerhin einige Daten beibringen, welche für
eine Beantwortung der Frage in bejahendem Sinne zu sprechen
geeignet erscheinen. Die soziale Entwickelung ist eine der Folgen
der natürlichen Entwickelung, des natürlichen Fortschrittes des
Menschengeschlechtes: die fortschreitende Entwickelung der In-
telligenz und auch des Mitgefühls bedingt eine solche der sozialen
Institutionen, ein Umstand, welcher gegenüber den Thatsachen der
geschichtlichen Erfahrung nicht geleugnet werden kann. Man
vergleiche nur einmal die Verhältnisse in den heutigen Kultur-
staaten Europas mit denen früherer Epochen, in denen Leibeigen-
schaft, Hörigkeit, Sklaverei herrschte; die auf dem Feudalsystem