Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 48. Die Organisation der öffentlichen Erziehung. 419
Die Organisation der öffentlichen Erziehung.
§ 48.
Wie wir wissen, müssen wir in der Erziehung zwei Haupt-
etappen unterscheiden, nämlich die Periode der vorwiegenden
Einzel- und die der vorwiegenden Massenerziehung. Jene
umfafst die Zeit von der Geburt bis zum achten Lebensjahre;
diese reicht von da bis zur Erlangung der körperlichen und mora-
lischen Reife, bis zum zwanzigsten Lebensjahre: mit dem Eintritte
des Kindes in die Schule endet die erstere und beginnt die letztere.
Erfolgte dieser Eintritt früher zumeist schon mit vollendetem
fünften, so findet er jetzt gewöhnlich erst mit zurückgelegtem
sechsten Lebensjahre statt. Mir scheint jedoch ein noch weiteres
Hinausschieben dieses Zeitpunktes, eben bis zum abgeschlossenen
siebenten Lebensjahre, das Richtige und Wünschenswerte zu sein.
Lehrt doch die Erfahrung, dafs durchschnittlich erst das sieben-
jährige Kind über die körperhche Rüstigkeit und Widerstandskraft
verfügt, welche für die mit dem Eintritte in die Schule beginnende
systematische Lernarbeit erforderHch ist: der kindliche Organismus
mufs bereits einigermafsen erstarkt sein, wenn die systematische
Lernarbeit ihren Anfang nimmt, sonst ergeben sich, wie ich im
ersten Teile schon gezeigt habe, schwere gesundheitliche Schädi-
gungen, im besonderen solche des Nervensystems.
Was nun die Organisation der Massen-, also der öft'entlichen
Erziehung betrifft, so erhebt sich zunächst die bedeutsame Frage,
wem die Pflege derselben obliegen soll. Bekanntlich sind es zwei
gewaltige Mächte, welche diese Pflege, welche die Oberaufsicht
über das gesamte öffentliche Erziehungswesen beanspruchen: die
Kirche und der Staat. Es gilt, sich darüber schlüssig zu werden,
wem man das diesbezügliche Recht zusprechen soll. Sicher ist,
dafs man der Kirche ein gewisses historisches Recht an das öffent-
liche Erziehungs-, namentlich das Schulwesen zubilligen mufs;
denn sie hat sich desselben, wie jeder Kenner der Geschichte weifs,
zuerst angenommen, im besonderen ist die Schule direkt als ein
Kind der Kirche zu bezeichnen. Aus diesem historischen Rechte
ein aktuelles für Gegenwart und Zukunft herzuleiten, dazu liegt
jedoch nicht der allermindeste Grund vor; denn die Kirche ist
nicht mehr das, was sie gewesen ist: sie hat aufgehört, Bildungs-
gemeinschaft zu sein und ist blofse religiöse Gemeinschaft ge-
worden und zwar auch nur in stark beschränktem Mafse. Früher
war die Kirche der Inbegrifi' der Bildung; ihre Diener waren die
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