Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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418 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
blofs geklärten Liebe zu Heimat und Vaterland^
aber ohne Chauvinismus, vielmehr in enger Ver-
bindung mit Kosmopolitismus. Daher ist es auch durch-
aus zu verwerfen, wenn man rauschende Siegesfeste in der Schule
feiert; daher ist z. B. die Feier des Sedantages als ganz unan-
gebracht zu unterlassen. Der „Hurrah-Patriotismus", wie er sich bei
uns seit den Ereignissen von 1870/71 leider auch in den Schulen
breit macht, gehört zu den unerquicklichsten Erscheinungen der Zeit
und ist obendrein viel gefährlicher und verderblicher als selbst der
vagste Kosmopolitismus, dem ich natürlich, wie auch wohl zur
Genüge aus dem Gesagten hervorgeht, keineswegs das Wort reden
will. Vielmehr stimme ich in dieser Beziehung ganz Rousseau
bei, wenn er ausruft: „Hütet euch vor diesen Kosmopoliten, die in
ihren Schriften aus weiter Ferne Pflichten herholen, deren Er-
füllung sie in Bezug auf ihre eigene Umgebung verächtlich zu-
rückweisen! Ein solcher Philosoph liebt die Tartaren, um dessen
überhoben zu sein, seine Nachbarn zu lieben" — und desgleichen
Adam Smith, bei dem wir lesen: „Dafs der Mensch mit Be-
trachtung des erhabenen Wirkungskreises, wie aller Menschen
Glück zu befördern sei, sich beschäftigt, kann ihn nicht entschul-
digen, wenn er den bescheideneren, die Besorgung seines eigenen
Glückes, des Glückes seiner Familie, seiner Freunde, seines Landes
darüber vernachlässigt."
Dafs es aber auch wirklich möglich ist, neben und aufser
dem nationalen Zusammengehörigkeitsgefühl, dem Volksbewufstsein,
das Humanitätsgefühl, das Bewufstsein der kosmopolitischen Soli-
darität, zu wecken und zu pflegen, das scheint mir die Existenz
eines so internationalen, kosmopolitischen Staatengebildes wie die
Schweiz deutlich zu beweisen. Der Schweizer als Angehöriger
eines deutschen oder französischen oder italienischen Kantons lernt
sich als deutscher, französischer oder italienischer und als Schweizer
überhaupt fühlen. So kann das deutsche, französische oder eng-
lische Kind sich als Deutscher, Franzose oder Engländer, fernerhin
aber auch als Europäer, als Kulturmensch, schliefslich als Mensch
schlechthin fühlen lernen. Aber selbstverständlich ist die nationale
Gefühlsweise die konkreteste und das nationale Gefühl das stärkste
und sicherste, was wohl durch die gegebene feste staatliche Or-
ganisation nicht unwesentlich mit bedingt ist.