Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 417
lebt haben, die moderne Kultur das Erzeugnis ihres Zusammen-
wirkens und in ihrem Weiterbestande und ihrer Weiterentwicke-
lung von der Fortdauer dieses Zusammenwirkens abhängig ist.
Auch darf der Hinweis darauf nicht fehlen, dafs bei allen diesen
Völkern trotz vielfacher Unterschiede und Variationen im einzelnen
doch sehr viel Gemeinsames vorhanden ist, sowohl was das reli-
giöse, moralische und künstlerische Empfinden, als auch was die
praktische Ausgestaltung des sozialen und politischen Lebens, der
Sitten und Gebräuche, der Lebensführung betrifft.
Die Weckung und Stärkung also des Volks- und des Humani-
tätsgefühls, des Patriotismus und des Kosmopolitismus, das ist die
Aufgabe der Erziehung. Der Patriotismus ist die Bedingung eines
gesunden, ruhigen und sicheren nationalen Selbstgefühls, das seiner
selbst und seines Wertes gewifs ist, das da sein und bleiben will, was
es ist, und das vor dem Fremden sich nicht beugt weder in Nach-
ahmung noch, wenn es so kommt, vor der Gewalt. Der Kosmopolitis- ?
mus bewahrt uns vor Überhebung und Hochmut, die es an sich haben
zu verblenden, und Verblendung kommt bekanntlich vor dem Fall,
d. h. zieht den Fall nach sich. Der Kosmopolitismus lehrt uns ferner
das Fremde achten und bahnt die allmähliche Beseitigung der
Feindseligkeiten der einzelnen Völker an, ist auf die Herbeiführung
des ewigen Friedens gerichtet. Es wäre sehr zu wünschen, dafs
die Pädagogik diese ihre hohe Mission nicht länger verkennen,
dafs sie bestrebt sein möge, sie selbst gegen den Wunsch der
Machthaber zu erfüllen. Nie darf sie sich so weit erniedrigen,
sich in den Dienst politischen Ehrgeizes zu stellen, diesem das
W^ort zu reden oder ihn auch nur zu verteidigen. Unbeeinflulst
und unbeirrt von derartigen Strömungen in den leitenden Kreisen
pflege sie den Geist der Humanität. Geht erst das Dichten imd
Trachten der Völker selbst nicht mehr auf gegenseitige Vernich-
tung aus, dann vermag auch der Wille der Herrschenden nicht
mehr, die Brandfackel des Krieges zu entzünden; dann müssen
dieselben sich dazu bequemen, ihren Ehrgeiz in etwas anderes zu
setzen als darein, sich wechselseitig in kriegerischen Rüstungen zu
überbieten, wodurch sie die Nationen finanziell ruinieren und den
Kulturfortschritt hemmen.
Das also muls die Losung sein: Patriotismus, vor allem
beruhend auf der Grundlage der Liebe zum Volke,
welche durch die Kenntnis, die tiefere Auffassung
des Volkscharakters vermittelt wird, und in zweiter
Linie auf der natürlichen, durch künstliche Mittel
Bergemann, Soziale Pädagogik. 27