Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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416 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
liegt. Dazu gehört nämlich, dafs das Vaterland dem Menschen
eine menschenwürdige Existenz verbürgt, bei angemessenem Aus-
kommen und genügender Mufse ihm die Möglichkeit bietet, seine
Schönheiten immer wieder geniefsen, an seinen Kunst- und Geistes-
schätzen sich erfreuen zu können. Ist solches der Mehrzahl der
Menschen versagt, seufzt die Masse des Volkes unter dem Joche der
Lohnsklaverei, wie das jetzt der Fall ist, dann mufs die Heimat-,
die Vaterlandsliebe schliefslich dahinsiechen und sterben. Solange
im Vaterlande der Denker und Dichter nur eine kleine Zahl von
Menschen in der Lage ist, mit deren Geistesprodukten sich zu
beschäftigen, daran sich zu bilden und zu ergötzen, können wir
uns nicht wundern, wenn die Schar der „vaterlandslosen Gesellen"
immer grölser wird. Das „ubi bene ibi patria" hat eben auch
seine Berechtigung.
Endlich noch ein Wort über die Erziehung zum Kosmo-
politismus, zur Humanität. Der kosmopolitischen Erziehung
wird in der heutigen Pädagogik so gut wie gar nicht gedacht, fast
nur der patriotischen. Man scheint zu glauben, dafs diese Ge-
fühlsweise erst künstlich hervorgebracht werden müsse, während
sich jene ganz von selbst verstehe. Aber gerade das umgekehrte
Verhältnis entspricht der Wahrheit, wie ich dies ja bezüglich des
Zustandekommens der Heimat- und Vaterlandsliebe schon gezeigt
habe. Was den kosmopolitischen Sinn betrifft, so ist zu bedenken,
dafs dem Menschen eine gewisse Abneigung gegen das Fremde
von Natur eigen ist. Diese Abneigung muls beseitigt werden,
und der Erziehung fällt die ganz bestimmte Aufgabe zu, dies zu
Wege zu bringen. Es ist das eine Forderung der Humanität, der
man sich unter keinen Umständen entziehen darf. Auch ist zu
bedenken, dafs wie über dem Einzelnen die Volksgesamtheit so
über dieser die Kulturgesellschaft, schlielslich die ganze Menschheit
steht: das Internationale geht dem Nationalen wie die
Nation dem Individuum voran. Um das dem Zögling recht
eindringlich zum Bewufstsein zu bringen, mufs man ausdrücklich
darauf hinweisen, dafs unser geistiges Leben kein absolut-wertiges
ist; dafs wir des Studiums der fremden Sprachen und durch deren
Vermittelung des geistigen Lebens fremder Völker bedürfen; dafs
unser Volk nur ein Glied innerhalb der europäischen Völker-
familie ist und andere gleichwertige Glieder neben sich hat, durch
deren Leben das eigene Ergänzung und Bereicherung findet; dafs
die Geschichte unseres Volkes gar nicht von derjenigen der anderen
Völker loszulösen ist, weil sie vieles Hochwichtige gemeinsam er-