Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 415
Auffassung des Volkscharakters zu vermitteln. Ohne be-
sondere Anleitung ist eine solche nicht möglich; erforderlich ist
sie aber durchaus, um sein Volk wahrhaft lieben zu können, so,
dafs man seine Kräfte dazu verwendet, ihm zu nützen nach bestem
Vermögen; dafs man auch zu grolsen Opfern bereit ist, wenn sie
ihm zum Heile gereichen.
Was nun die Aufgabe der Erziehung bezüglich der Pflege
der Heimat- und weiterhin der Vaterlandsliebe betrifft, so
ist zu sagen, dafs, wer von klein auf die deutsche Luft atmet
und die deutsche Sprache spricht, ganz von selbst deutsch in
seinem Wesen ist. Die Bande, welche den Menschen mit seiner
Heimat und seinem Vaterlande verknüpfen, sind von Natur aus
stark genug; hier bedarf es kaum einer künstlichen Nachhilfe.
Die Grundlage der Heimat- und der Vaterlandsliebe ist das Heimat-
gefühl; dasselbe ist ein gegebenes wie die Heimat selbst, ein ohne
künstliche Mittel, ohne Zuthun anderer zustandekommendes. Der
Mensch bringt, wie schon früher betont wurde, ein anschlufsbedürf-
tiges Gemüt mit auf die Welt; er strebt nach Befreundung mit der
ihn umgebenden Natur und vor allem den Menschen. Das mit solchen
Anlagen ins Leben tretende Kind 'umfängt die heimische Natur mit
ihren Bewohnern und bewirkt eine solche Entwickelung jener Anlagen,
dafs eben gar kein anderes Resultat daraus sich ergeben kann als die
Heimatliebe. Denn die frühesten und wichtigsten Gedankenkreise, die
grundlegenden Vorstellungsreihen, die starken Gefühle, die ersten
Willensakte der Kinderzeit, alles das ist mit der Heimat verknüpft und
kettet uns an dieselbe mit tausend Banden, pflanzt eben mit Natur-
notwendigkeit die Liebe zu ihr in unsere Herzen. Und von der Heimat-
liebe hinüber zur Vaterlandsliebe ist nur ein kleiner Schritt; denn das
weitere Vaterland erscheint dem Menschen bei allen mannigfachen
Unterschieden doch immer nur als das vergröfserte Spiegelbild seiner
Heimat, vornehmlich infolge des Umstandes, dals er überall die-
selbe Sprache vernimmt. Die Erziehung hat daher gar nicht nötig,
sich noch besonders um die Hervorbringung einer solchen Gefühls-
weise zu bemühen. Jedoch mufs sie in der Weise hier eingreifen,
dals sie regulierend und läuternd wirkt. Gegenüber der zufälligen
und regellosen Erfahrung fällt ihr die Aufgabe des Ordnens und
Sichtens zu. Sie mufs die fehler- und lückenhaft, unklar und ver-
worren gebliebenen Vorstellungskreise klären. Damit aber das
Gefühl der Anhänglichkeit an Heimat und Vaterland Bestand habe,
auch in dem Erwachsenen allzeit rege bleibe, dazu gehört freilich
noch etwas anderes, was ganz aulserhalb der Grenzen der Erziehung