Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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414 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Menschen, die allein wertvoll ist, durch tüchtige Leistungen und
durch in jeder Beziehung tadellose Lebensführung aller seiner Glieder
immer wieder von neuem. Eine andere Anhänglichkeit zu fordern,
dazu hat die Dynastie nicht das mindeste Recht, selbst dann nicht,
wenn sie in der Vergangenheit noch so viel gethan hat, was der
Anerkennung und Bewunderung würdig ist. Ganz besonders zu
tadeln ist die Art und Weise, wie manche Geschichts - Lehr-
bücher* und Lesebücher-Fabrikanten bestrebt sind, „patriotische"
Gesinnung zu züchten, d. h. den Kindern ersterbende Unterwürfig-
keit dem Herrscherhause gegenüber zu suggerieren, durch über-
triebene Schilderung einzelner Herrscherpersönlichkeiten, denen
man Eigenschaften beilegt, die sie niemals besessen haben, und
Beinamen, die sie nicht verdienen, ferner oft genug durch
direkte Geschichts-Fälschungen oder doch durch ganz einseitige
Darstellung der Ereignisse. Ein Lehrbuch, das in den unteren
Klassen der städtischen höheren Mädchenschulen in Berlin viel
benutzt wird, die Heimatkunde von Wetzel, enthält auch
einen geschichtlichen Abschnitt, dem ich hier folgende Probe ent-
nehmen möchte. „Es folgten", nämlich auf den Einzug Napoleons
in Berlin im Jahre 1806, heilst es da u. a., „traurige Tage der
Erniedrigung und Schmach für unser teures Vaterland. Die
schöne, edle und fromme Königin Luise, die liebende Gemahlin,
die treue Mutter u. s. f. erkannte den Grund dieses Elends und
sprach ihn aus mit den Worten: „Weil wir von Gott abgefallen
sind, darum sind wir gesunken". Denn der in Frankreich herrschende
Geist der Gottlosigkeit war auch zu uns herübergedrungen". Mit
solchen subjektiven Auffassungen wagt man in der Schule die
Köpfe der Kinder vollzupfropfen. Also nicht die Schwäche und
Unfähigkeit seines Königs, die Unbrauchbarkeit und Untauglich-
keit seiner Staatsmänner, die Feigheit seiner Offiziere, die Ver-
lotterung des ganzen Staatswesens haben Preufsen nach Jena ge-
führt, sondern die Gottlosigkeit seines Volkes, dieselbe Gottlosig-
keit, die, nebenbei gesagt, Frankreich von Sieg zu Sieg geführt
hat. Alle seine Siege soll unser Volk stets nur seinen hochedlen
und erhabenen Herrschern, die Niederlagen aber immer seiner
eigenen Nichtsnutzigkeit verdanken. So werden unsere Kinder zu
„gottesfürchtigen, sitthchen und vaterlandsliebenden Menschen"
erzogen, wie es in einem der jüngsten Erlasse betreffend die Aus-
schliefsung der Sozialdemokraten aus den Schulvorständen, heifst.
Worauf es bei der patriotischen Erziehung, bei der Erziehung
zum Patriotismus einzig ankommt, das ist dies, eine tiefere