Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 413
bezüglich des Staates der Fall wäre. Der Gegensatz zum Patrio-
tismus ist der Kosmopolitismus. Beide sind in gewisser Hinsicht
einseitig; sie müssen daher beide nebeneinander gepflegt und in
ein richtiges Verhältnis zueinander und zum Heimatgefühl gebracht
werden.
Die Aufgabe der Erziehung alle dem gegenüber ist nun
folgende. Die Pädagogik unserer Tage spricht sehr viel von
patriotischer Erziehung und geht darin ofi^enbar zu weit. An-
hänglichkeit an die vorhandene Staatsform, was man gewöhnlich
für die Hauptsache dabei hält, gehört eigentlich gar nicht zu dem
Inhalte des Begriffes Patriotismus —• daher auch natürlich nicht
die Anhänglichkeit an das Herrscherhaus, worauf ebenfalls so
starkes Gewicht gelegt wird. Denn, wie angedeutet, das all-
gemein Bestimmende in dem Begriffe Patriotismus ist die Liebe;
von solcher kann ja aber dem Staate gegenüber als einer Form,
einer Funktion, einer Einrichtung, keine Rede sein: man kann
den Staat wohl vortrefflich finden; man kann stolz auf ihn sein,
aber man kann ihn nicht lieb haben. Darum verträgt sich auch
sehr wohl mit dem wahren Patriotismus, mit der Liebe zum
Volke, die Bekämpfung der bestehenden Staatsform. Ein Mensch,
der dieses thut, kann ein durchaus aufrichtiger Patriot sein. Und
was die Liebe zum Herrscherhause anlangt, so ist eine solche
freilich möglich; sie ist auch als Teil der allgemeinen Liebe zum
Volke ganz berechtigt, ist darin ganz von selbst überhaupt mit-
gegeben. Auch können hervorragende, besonders liebenswürdige
Eigenschaften dieser oder jener Glieder desselben eine besondere
Zuneigung zu ihnen und Anhänglichkeit an sie bedingen. Aber
das ist eine ganz persönliche und private Sache, die mit dem
Patriotismus und mit dessen Pflege gar nichts zu thun hat. Ge-
wifs Söll der heranwachsenden Jugend die vorhandene Staatsform
erklärt, soll sie zum Verständnisse derselben geführt werden; auch
soll sie erfahren, was das Herrscherhaus für Staat und Volk ge-
leistet, welche Bedeutung es hat. Ein Weiteres, ein Mehr jedoch
ist nicht erforderlich. Ob die Staatsform an sich gut ist, ob sie
bewahrt zu werden verdient, das zu entscheiden ist erst Sache
des reifen Verstandes, des reifen Menschen: in der Erziehung auf
diese Entscheidung einen vorgreifenden Einflufs ausüben wollen,
heifst Vorurteile grofsziehen. Und ebenso hat man sich davor
zu hüten, unter der heranwachsenden Jugend Propaganda für
das Herrscherhaus zu machen, ihr Anhänglichkeit für dasselbe an-
zuerziehen. Vielmehr verdiene es sich die Anhänglichkeit der reifen