Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht.
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für zurückgesetzt und ungerecht beurteilt halten; aber nach einiger
Zeit ist das doch vergessen und verschmerzt: das Kind sieht ja
die Prämie nicht beständig vor sich.
Der Ehrtrieb geht mit dem Wetteifer Hand in Hand und
wirkt in derselben Weise wie dieser. Er wirkt als positives Ver-
langen nach Ehre und als negative Furcht vor der Schande sehr
kräftig. Die Ehre gehört zu den wirksamsten Banden, welche
die Glieder der Menschheit zusammenhalten, oft noch in höherem
Grade als die Liebe; denn die Sympathie stirbt leichter ab. Ein
Glied, das die Ehre innerhalb der Gemeinschaft verloren hat, ist
moralisch tot. Die Aufgabe der Erziehung besteht auch hierbei
wieder darin, nicht den Ehrtrieb auszurotten, sondern ihn zu
leiten und zu bilden. Die Leitung geschieht durch das Urteil
des Erziehers, durch Lob und Tadel. Besonders ist darauf zu
achten, dafs das eine wie das andere am rechten Orte eintrete.
Lob und Tadel am falschen Ort bringen den Erzieher um seine
autoritative Stellung; denn er zeigt sich dadurch urteilslqs, und
Kinder haben dafür ein sehr feines Gefühl. Auch sparsam mufs
man mit Lob und Tadel umgehen; sonst verlieren sie an Wert.
Lob und Tadel dürfen ferner niemals die Form von Superlativen
annehmen; der Gleichmut ist für den Erzieher, im besondern auch
für den Lehrer, eine höchst wichtige Eigenschaft. Superlativistisches
Lob oder superlativistischer Tadel bedingt leicht Überhebung oder
Mutlosigkeit. — Die Entartungen des Ehrtriebes sind Eitelkeit
und Ehrgeiz. Eitel ist der, dessen Ehrtrieb sich auf Äufserhchkeiten
richtet, auf feinen Anzug, elegante Manieren, Titel, Orden u. s. f.
Die Erziehung mufs daher die Aufmerksamkeit des Zöglings auf
die grofsen und bleibenden Dinge lenken und an diesen fest-
halten. Man darf die Kinder auch nicht auffordern, sich bewun-
dern zu lassen, ein anderer Grund, aus dem die öffentlichen Schul-
prüfungen zu verwerfen sind. Ehrgeiz ist übermäfsige Empfäng-
lichkeit für Lob und Bewunderung. Der Ehrgeizige legt der An-
erkennung seitens der anderen zu grofses Gewicht bei: sie ist ihm
von absolutem Werte. Das Gegenteil ist der Stumpfsinn und die
Schamlosigkeit, die völlige Gleichgiltigkeit gegen das Urteil an-
derer. In der Mitte zwischen beiden steht die Ehrliebe, welche
nach Tüchtigkeit des eigenen Selbst, nach tüchtigen Leistungen
und dadurch erst nach öffentlicher Anerkennung strebt. Die Er-
ziehung mufs der Entartung des Ehrtriebes entgegenwirken, in-
dem sie die Aufmerksamkeit auf die Dinge und Aufgaben selbst
richtet, im Zöglinge eigene Freude an seiner Thätigkeit erweckt.