Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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24 I- Teil. Die pädagogisolien Grundbegriffe.
Menschen so ist freilich auch, was ich nicht ungesagt lassen möchte,
bei den dieses Mals überragenden Personen die Erziehung im
grofsen und ganzen wirkungslos oder doch nebensächlich und
mehr oder weniger gleichgiltig. Die Biographien der meisten
grofsen Männer zeigen mit gröfster Deutlichkeit, dafs die Er-
ziehung auf sie bald gar keinen, bald einen nur schwachen Einflufs
ausgeübt hat. Das Beispiel so vieler Gelehrter, Denker, Künstler
und Erfinder lehrt, dafs die Erziehung neben der angeborenen
Begabung nur sehr wenig bedeutet. D'Alembert, den die Witwe
eines armen Glasers als Findling aufzog, und der ohne Berater
und ohne Mittel heranwuchs, verspottet von seiner Pflegemutter,
seinen Kameraden, seinem Lehrer, der ihn nicht verstand, wurde
dennoch mit 24 Jahren bereits Mitglied der Akademie der
Wissenschaften in Paris. Spinoza wurde trotz seiner jüdisch-
talmudischen Erziehung der grofse Philosoph des Pantheismus,
Kant trotz seiner pietistischen der des Kritizismus. Luther
ward trotz seiner AönchiacheH Erziehung der Reformator der
Kirche und der Begründer des religiösen Protestantismus. Loyola,
obwohl von Jugend auf ans Kriegshandwerk gewöhnt, schuf den
Orden der Gesellschaft Jesu. Nero, der Schüler Senecas, wurde
der Schrecken Roms. Man könnte diese Beispiele ins Ungemessene
vermehren; jedoch will ich das dem Leser überlassen, aber noch-
mals auf die Lehre, die wir aus ihnen zu entnehmen berechtigt
sind, energisch hinweisen: dafs nämlich der Einflufs der
Erziehung niemals absolut ist und nur auf mittlere
Naturen eine entschiedenere Wirkung hat. Denkt man
sich mit Ribot die verschiedenen Grade menschlicher Intelligenz
so angeordnet, dafs sie eine ungeheure Reihe bilden, anfangend mit
der Idiotie und endend mit der Genialität, so äussert die Erziehung
an den beiden Enden dieser Reihe ihre minimalste Wirkung, die
häufig geradezu gleich Null ist, namentlich am Anfangspunkte.
Die unerhörtesten Anstrengungen und Wunder von Geschicklichkeit
und Geduld führen bei dem Idioten nur zu geringfügigen und
flüchtigen Ergebnissen. Der gröfste Einflufs der Erziehung macht
sich in der Mitte der gedachten Reihe geltend; er erreicht hier,
bei den mittleren Naturen, sein Maximum, auch in gemütlicher,
in moralischer Hinsicht; denn diese mittleren Naturen stehen
infolge ihrer Durchschnittsbegabung auf der Grenzscheide wie der
Dummheit und der Gescheidtheit, so auch des Guten und des
Bösen und werden daher ungefähr das, was der Zufall, eine zu-
fällig tüchtige oder zufällig schlechte Erziehung aus ihnen macht,
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