Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
410 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
eignet wäre, den anderen, der überlegen ist, zu Falle zu bringen.
Er wird so zur Bosheit, die sich zunächst in der Verleumdung
äufsert. Übermut führt dazu, andere de haut en bas zu behan-
deln. Der Erzieher mufs diesen beiden Entartungen entgegen-
arbeiten. Glücksvorzüge bewirken meist auf der einen Seite Neid,
auf der anderen Übermut. Daher mufs der Erzieher die Ver-
gleichung hinsichtlich dieses Punktes ab- und hinlenken auf solche
Dinge, bei denen die Anstrengung allein Erfolg bedingt. Die
Erziehung mufs gleiche Kräfte zusammenführen zu gemein-
samer Arbeit; denn nur dann kann durch besondere Anstrengung
Erfolg erzielt werden. Die Klassenteilung unserer Schulen
hat dieses Ideal zum Zwecke. Auch sind kleine Prämien und
derartige Auszeichnungen sehr wohl zuzulassen; aber natürlich
mufs man bei der Verteilung nicht so sehr die verschiedenen
Leistungen als solche gegeneinander abwägen, als vielmehr da-
nach fragen, wie sich dieselben zu den gegebenen Fähigkeiten
verhalten; mit anderen Worten: der Grad der Anstrengung kann
beim Verdienst allein in Frage kommen. Die Rangordnung
hingegen kann nicht wohl nach diesem Prinzipe festgestellt wer-
den ; denn dann würde ja der begabtere Schüler seinen Platz unter
dem weniger begabten, aber fleifsigeren angewiesen bekommen
müssen, was ihm natürlich als eine himmelschreiende Ungerechtig-
keit und eine tiefe Demütigung erscheinen würde und fortwährende
Mifshelligkeiten zur Folge hätte. Da aber anderseits eine, auf der
Vergleichung der verschiedenen Leistungen an sich beruhende
Platzanweisung mancherlei Härten im Gefolge hat, indem dabei
ja wieder der fleifsigere Schüler hinter dem weniger fleifsigen,
aber begabteren zurückstehen müfste, was jenen leicht mutlos
machen könnte, so halte ich dafür, dafs es am besten ist, die
Rangordnung nach irgendwelchen äufseren Merkmalen, z. B. nach
der alphabetischen Namenfolge, zu bestimmen. Vielleicht ist man
geneigt, zu sagen, dafs alle diese, für eine derartige Platzanweisung
geltend gemachten Gründe auch gegen die Verteilung von Prämien
sprechen. Ich meine doch nicht. Die Prämien-Verteilung, die
zudem selbstverständlich nur selten stattfinden soll, ist von vorüber-
gehendem, die Rangordnung dagegen von konstantem Charakter:
bei ihr wird die scheinbare Ungerechtigkeit, die scheinbare Zurück-
setzung dem Schüler immer und immer wieder ins Gedächtnis
zurückgerufen, täglich, stündlich •— und das mufs erbitternd wirken,
Trotz und passiven Widerstand erzeugen. Ganz anders bei der
Prämien-Verteilung. Auch hierbei werden manche sich freilich