Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 45. Die Zucht. 409
gegen 200 Gymnasiasten in Stockholm eine sehr unangenehme
und peinliche Untersuchung eingeleitet wurde, da war unter diesen
nicht Einer von dem gemeinsamen Gymnasium.*)
§ 47.
Ich habe jetzt noch die ideellen Selbsterhaltungstriebe-
und die sozialen Triebe und deren erzieherische Beein-
flussung zu besprechen. Jene äufsern sich, wie uns bekannt ist,-
in zwei Formen, als Wetteifer, d. i. der Trieb sich vor anderen
auszuzeichnen, und als Ehrtrieb, d. i. das Verlangen, sich selbst
und seine Leistungen bei anderen zur Geltung, zu Ehren zu bringen^
Der Wetteifer, die Amulatio, ist ein sehr wirksamer Hebel in
der Entwickelung des Menschengeschlechtes, beim einzelnen Men-
schen sowohl als auch bei ganzen Völkern. Not und Wetteifer
sind die beiden gewaltigen Triebfedern, welche da noch Thätig-
keit erzwingen, wo der gewöhnliche Wille nicht mehr ausreicht^
entgegenstehende Hindernisse zu überwinden. Am stärkste^ wirkt
der Wetteifer auf die Kultivierung des Einzelnen; darin besteht
auch einer der grofsen Vorzüge des Gesamt-Unterrichtes vor dem
Einzelunterricht, überhaupt der Gesamt-Erziehung vor der ständigen
Einzel-Erziehung: der Wetteifer ist oft der Trieb, der die Träg-
heit allein überwindet. Die meisten Lehrbücher der Pädagogik
pflegen ganz unberechtigter Weise auf die Jesuiten und die Philan-
thropisten hinsichtlich ihrer Begünstigung des Wetteifers zu
schelten. Müssen die einen wie die anderen doch überhaupt stets
dazu herhalten, die Sündenböcke und Prügelknaben der Pädagogen
von heute zu sein. Dabei bedenkt man gar nicht, dafs ja
auch unsere Schulen den Wetteifer zu beleben trachten. Und in
der That, derselbe darf gar nicht ausgerottet werden; nur vor
seiner Entartung hat man die Kinder zu bewahren. Diese Ent-
artung ist eine dojjpelte, sofern sie sich nämlich äufsert als Neid-
und als Ubermut. Neid ist das Gefühl eigener Ohnmacht, ver-
schärft durch das Gefühl fremder Übermacht. Übermut ist das
Komplement des Neides; er ist das Gefühl eigener Überlegenheit
gegenüber anderer Inferiorität. Beide haben die Tendenz, lähmend
auf den Willen zu wirken: sie nehmen ihm die Spannkraft,
Neid lenkt den Willen ab von nützlicher Bethätigung, von nütz-
lichem Streben und darauf hin, alles zu versuchen, was etwa ge-
*) Man vergleiche auch: Bergemann, ,Die Sittlichkeitsfrage und
die Schule", wo viele Litteraturnachweise zu finden sind.