Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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408 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
einem berühmten Berliner Hochschullehrer gemacht worden ist,
erschienen, der Vorschlag nämlich, getrennte Hochschulen für die
jungen Männer und die jungen Mädchen einzurichten. Der u. a.
von Halle'schen Medizin-Studenten gegen das gemeinsame Studium
erhobene Einspruch, welcher auf die Behauptung sich stützte, dafs
der gemeinsame Unterricht Unzuträglichkeiten mit sich führe, ist
bekanntlich als völlig nichtig und hinfällig von den Dozenten
selbst gekennzeichnet und gebührend zurückgewiesen worden. Was
die Trennung der Geschlechter in der Schule betrifft, so sei hier
noch Folgendes bemerkt. Von den Freunden dieser Trennung
wird gewöhnlich von der sittlichen Bedenklichkeit der nahen Be-
rührung der Geschlechter in den Schulen geredet. Das ist nichts
anderes als eine thörichte Phrase; denn in Wahrheit sind sich
Knaben und Mädchen nach der etwa Gefahr drohenden Seite hin
in einer Klasse unter der Disziplin des Unterrichtes und der Über-
wachung so fern wie möglich. Es ist sehr zu bedauern, dafs die
Freunde der Geschlechtertrennung in der Schule bei uns fast
durchweg den Sieg davon getragen haben. Ist es doch jetzt so,
dafs die Trennung der Geschlechter im Rahmen ihrer Durchführbar-
keit eine vollendete Thatsache ist und zugleich eine entschiedene
Frage. Die gemeinsame Schulung findet man in Deutschland, aus
praktischen Gründen, nur noch auf dem Lande und etwa in den
unteren Klassen der städtischen Volksschulen. Sie ist nicht mehr
in deren mittleren und oberen und erst recht nicht in den höheren
Lehranstalten vorhanden. Nur in zwei deutschen Kleinstaaten be-
stehen gemeinschaftliche höhere Schulen für Knaben und Mädchen,
in Oldenburg die Realschule und in Baden die vier- oder fünf-
klassige höhere Bürgerschule. Aufserdem soll es in Hamburg
eine höhere Privatschule geben, in welcher Knaben und Mädchen
gemeinsam unterrichtet werden. Ganz anders in Amerika, Dänemark,
Finnland, Norwegen und Schweden. In Amerika, wo ja unein-
geschränkt der Grundsatz gilt, dafs die Frauen dieselbe Bildung
wie die Männer haben sollen, werden beide Geschlechter fast über-
all gemeinsam geschult: 1895 waren 93"Iq aller Schulen in den
grofsen Städten und 75 "/o in den kleinen gemeinsame Schulen.
In Dänemark sind von 85 höheren Schulen 55 gemeinsame; in
Finnland bestehen 32 gemeinsame höhere und 40 Vorbereitungs-
schulen mit staatlicher Unterstützung. In Norwegen wurde die
gemeinsame Schule 1884, in Schweden 1876 eingeführt: in Stock-
holm giebt es ein neunklassiges Gymnasium für beide Geschlechter.
Erwähnenswert isb folgendes Vorkommnis. Als im Jahre 1885