Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 407
geschieht, ihn von den nackten Statuen und Bildern hin wegzu-
ziehen, erkläre man dieselben und mache auf ihre Schönheiten auf-
merksam.
Was das andere Mittel betrifft, so besteht dies in der ge-
meinsamen Erziehung der beiden Geschlechter, der Knaben
und Mädchen, der Jünglinge und Jungfrauen. Von früher Jugend
auf mufs der Geist unbefangener Kameradschaftlichkeit zwischen
ihnen gepflegt, sie müssen daran gewöhnt werden, einer im an-
deren vor allem den Menschen zu erblicken, nicht blofs männ-
liches oder weibliches, anders geartetes Wesen. Sie müssen
lernen, voreinander Achtung zu haben und dementsprechend mit-
einander zu verkehren. Nichts ist unzweckmäfsiger und gefähr-
licher als die übliche strenge Geschlechtertrennung und das Ver-
bot des gemeinsamen Verkehrs in Verbindung mit der Unter-
lassung jeglicher Aufklärung über geschlechtliche Dinge. Denn
auf diese Weise werden Knaben und Mädchen füreinander die
Neugier herausfordernde, die Phantasie anreizende Mysterien, hinter
die man zu kommen versucht, sobald sich die erste beste Gelegenheit
dazu bietet. Wenn Pädagogen, wie dies so häufig geschieht,
gegen die gemeinsame Erziehung von Knaben und Mädchen eifern,
so hat das nur Sinn und Verstand, wenn man die bisherige
Prüderie und Zimperlichkeit, die auf nichts anderem als auf Egois-
mus, auf Bequemlichheit und Denkfaulheit beruht, in der Er-
ziehung beibehält. Der ernsthaft und sachlich aufgeklärte Knabe
und das ernsthaft und sachlich aufgeklärte Mädchen, die stets als
Kameraden miteinander verkehrt und gelebt haben, werden auch
im kritischen Alter getrost weiter miteinander verkehren können.
Ja, das Beispiel der zusammen aufwachsenden Brüder und Schwes-
tern lehrt, dafs bei solchem innigen Zusammenleben der eine für
den anderen den Reiz des anders gearteten Geschlechtswesens so
gut wie ganz verliert. Auch mufs darauf hingewiesen werden,
dafs in Ländern, wo die Geschlechtertrennung in der Erziehung
zu den überwundenen Standpunkten gehört, wie z. B. in Holland,
erfahrungsgemäfs die Zahl der unehelichen Geburten sich beträcht-
lich seitdem vermindert hat. Zudem wird der Mädchen feineres
Scham- und Anstandsgefühl von vorteilhaftem Einflufs auf die mit
ihnen unbefangen verkehrenden Knaben sein. Darum erziehe man
die Geschlechter durchweg gemeinsam, auch in der öffentlichen
Erziehung, nicht minder in der Schule und zwar in allen Schulen:
auch auf den Gymnasien und den Universitäten. Als Gipfel des
Lächerlichen ist mir stets der Vorschlag, der jüngst wieder von