Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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406 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
ganz sicher. Wer mit ihnen verkehrt, auf den geht etwas von
dieser Gemeinheit unfehlbar über. Das Gemeine aber ist das Un-
ästhetische in höchster Potenz. Ferner ist es auch eine Gemein-
heit, mit jemandem, den man im übrigen aufs tiefste verachtet,
mit dem man sonst nicht verkehren mag, den man, trifft man
ihn, nicht kennt, den intimsten Umgang,' der sich überhaupt nur
denken läfst, zu pflegen. Wie es gemein und darum häfslich und
verächtlich ist, wenn das Weib ihren Leib jedem preisgiebt, so
ist es ebenso gemein, häfslich und verächtlich, wenn der junge
Mann seinen Leib jeder Dirne hingiebt. Bedeutet das Thun der
Dirne eine Entweihung ihres Leibes, so auch das Thun des Mannes
eine solche des seinigen. Und wenn dann später der Mann diesen
entweihten Leib in der Ehe einer reinen Frau anzubieten wagt,
zieht er dieselbe auf eine Stufe mit der Dirne herab, trägt er den
Dirnenschmutz in die Ehe hinein und macht unrein und häfslich,
was rein und schön sein solL — Für eine solche Auffassung
der Dinge haben leider, wie ich aus hundertfiiltiger Erfahrung
weifs, die heutigen Männer noch so gut wie gar kein Verständ-
nis. Es fehlt ihnen dazu der feine ästhetische Sinn, vermöge dessen
man allein die nötige Achtung vor seinem eigenen Leibe und die
Hochschätzung seiner Reinheit und Unberührtheit haben, der
Erkenntnis des Schmutzes, des sich beschmutzt Fühlens und der
gründlichen Verachtung für seinen beschmutzten Leib fähig sein
kann. Darum eben gilt es in Zukunft, die Knaben und Jüng-
linge zur Achtung vor ihrem Leibe, zur Erkenntnis dessen, was
sie demselben und damit sich selbst schuldig sind, zu erziehen.
Sie müssen lernen, dafs es sich beschmutzen, sich häfslich und
verächtlich machen heifst, wenn sie sich wegwerfen an das erste
beste Weib, nur um ihre Geschlechtsbegierde zu befriedigen. Sie
müssen zur Erkenntnis der Schönheit wie des unberührten weib-
lichen so auch des keuschen männlichen Leibes geführt werden.
Und sie müssen so ästhetisiert werden, dafs sie dieser Schönheit
voll bewufst sich freuen und daher vor ihrer Preisgabe sich scheuen.
Ein ausgezeichnetes Mittel zur Erreichung einer solchen Gefühls-
und Anschauungsweise ist die rechte Würdigung des schönen
Nackten in der Kunst, die vorurteilslose Hervorhebung der Schön-
heiten des nackten Körpers, die Gewöhnung an dessen Betrachtung
vom rein ästhetischen Standpunkte aus, die Anleitung zum un-
befangenen und liebevollen sich Versenken in diese Betrachtung.
Man führe den Zögling getrost in die Museen und Gallerien und
lasse ihn alles beschauen, und statt, wie dies jetzt gewöhnlich