Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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404 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
sundheit die Befriedigung des geschlechtlichen Bedürfnisses ver-
lange. Ich zögere nicht, zu erklären, dafs das falsch ist". Ganz
ebenso haben sich noch viele andere hervorragende Männer der
Wissenschaft geäufsert, so u. a. Professor Krafft-Ebing in Wien,
Professor Rubner in Berlin, Professor Lionel S. Beal in London,
der Schweizer Professor Forel und der Schweizer Hygieniker
Sonderegger, auch der Italiener Mantegazza. Der bekannte
Mediziner Professor Flesch in Frankfurt a. M. äufserte gesprächs-
weise einmal geradezu: wenn ein wohl unterrichteter Arzt be-
haupte, die Gesundheit verlange die Befriedigung der geschlecht-
lichen Begierde, so lüge er mit vollem Bewufstsein. Das Medi-
zinalkollegium der Universität Christiania gab auf die briefliche
Bitte des norwegischen Vereins für öffentliche Sittlichkeit um ein
Urteil darüber, ob die Keuschheit gesundheitsschädlich sei, folgende
Antwort: ,In Erwiderung des Briefes Ihres Exekutiv - Komitees
vom 28. XH. 1887 hat die medizinische Fakultät die Ehre, fol-
gende Erklärung zu geben. Die kürzlich von verschiedenen Per-
sonen gemachte und in öffentlichen Blättern und Versammlungen
wiederholte Behauptung, dals ein Leben von Reinheit und Sittlich-
keit der Gesundheit schädlich sei, ist nach unserer hiermit ein-
stimmig ausgesprochenen Erfahrung ganz falsch. Wir wissen
von keinem Nachteil oder irgend einer Schwäche, die aus einem
vollkommen reinen und sitthchen Leben entstehen könnte". Unter-
zeichnet sind: J. Nicolayson, E. Winge, Jockmann, J. Heiberg,
J. Jost, J. Wann, Müller, E. Schönberg, Professoren der Medizin
an der Universität Christiania. Und endlich weise ich darauf hin,
dafs es bereits verschiedene Vereinigungen junger Männer giebt,
welche, wie die Möglichkeit geschlechtlicher Enthaltsamkeit so
auch die Unhaltbarkeit der Behauptung, dals die Gesundheit die
Befriedigung des Geschlechtstriebes erheische, geradezu ad oculos
demonstrieren: die Gesundheit der Mitglieder dieser Bünde läfst nicht
das Mindeste zu wünschen übrig. Also Enthaltsamkeit, Selbst-
beherrschung ist hier geradeso möghch wie auf anderen Gebieten;
sie ist um so leichter zu üben, je einfacher, natürlicher und
mälsiger die ganze Lebensweise ist. Sie muls aber auch dann
geübt werden, wenn sie etwas schwer fallt, was bei nicht ganz
wohl geregelter Lebensführung ja freilich oft genug der Fall ist.
Vornehmlich sind in dieser Richtung naturgemäfs die männlichen
Zöglinge zu beeinflussen; denn ihr Geschlechtstrieb ist weit stärker
als der der Mädchen, bei denen derselbe, wie alle Frauenärzte
versichern, an sich nicht sehr stark, ursprünglich sogar sehr ge-