Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 401
angeht, es damit abweisen zu müssen, dafs sie ihm sagen, über
solche Dinge zu sprechen, passe sich nicht. Sie glauben, dadurch
den Kindern längstmöglich ihre Unschuld zu bewahren, die sie
fiir einen grofsen Reiz der Jugend halten. Wie verkehrt ist solche
ästhetische Prüderie! Wie gesagt, die Kinder erhalten von
geschlechtlichen Dingen Kenntnis ohne alles Zuthun der Erzieher,
und wenn sie diese Kenntnis vor ihnen verborgen halten müssen,
so erscheinen jene Dinge ihnen in einem gewissen geheimnisvollen,
ihre Sinne und ihre Phantasie erregenden Dämmerlichte, wodurch
sie unter Umständen zu den gewagtesten Experimenten verleitet
werden. Zudem wird so ja die Vorstellung erweckt, dafs es sich
dabei um etwas Häfsliches und Gemeines handle, das gleichwohl
alle Erwachsenen treiben, nur im Geheimen.
Alle dem gegenüber ist als das einzig Richtige das Fallen-
lassen der ganz thörichten Prüderie und Zimperlichkeit und die
ruhige und sachliche Besprechung geschlechtlicher Dinge
mit dem Zöglinge zu bezeichnen. Es ist ihm die hohe Bedeutung
des Geschlechtslebens, natürlich des sittlich reinen, vor Augen zu
führen; man mufs ihm sagen, dafs es nichts Gemeines und Häfs-
liches, sondern vielmehr etwas aufserordentlich Hohes und Er-
habenes ist: kann doch der Geschlechtstrieb geradezu als
der göttliche Schöpfungstrieb im Menschen betrachtet
werden. Und zwar ist es Sache der Mutter, die entsprechenden Auf-
klärungen zu geben; denn nur sie kann es in ganz besonders zarter
und edler Weise thun, etwa so, wie die Mutter Ellins in Felix
Holländers Roman „Frau Ellin Röte': „Damit etwas wächst,
mufs der Sämann säen, verstehst du, Kind? Und wenn der Samen
auf weiche Erde fällt, dann wachsen die Blumen. Erst ganz still
und verborgen. Aber wenn der Frühling mit seiner warmen Sonne
kommt, dann sprossen sie hervor, und im Sommer blühen sie,
und im Herbst sind die Früchte reif So, Kind, oder so ähnlich
doch ist es auch bei den Menschen. Der Vater ist der Sämann,
und die Mutter ist die Erde. Wenn du erst gröfser bist, wirst du
das alles viel besser begreifen. Ellin, auch, dafs die Mutter, die
ihre Säfte hergiebt, unendlich viel leiden und ertragen mufs, da-
mit das Wunder geschehen kann. Es ist das alles sehr heilig
und ernst, mein Kind, und nur thörichte Menschen oder solche,
die kein tiefes Gefühl haben, können ihren Spott damit treiben."
Auch sei hier auf Jean Pauls „Levana" § 129 hingewiesen.
Gewifs braucht das Kind nicht gleich alles bis ins kleinste Detail
hinein zu erfahren; aber sicherlich darf es nichts gelehrt werden,
Bergemann, Soziale Pädagogik. 26