Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
Anlage bedingt, durch die Schwäche der entgegenstehenden Hinder-
nisse, der vorhandenen Hemmungen, durch die, physiologisch ge-
sprochen, der Gewöhnung zugängliche Beschaffenheit der nervösen
Struktur. Je nach Art dieser Struktur erreicht die Gewöhnung
bald mehr bald weniger. Dafs doch alles von der ursprünglichen
Begabung, von den natürlichen Anlagen abhängt, das sehen wir
ja so deutlich, wenn wir uns einmal recht tief unter den Strich
der Normalität hinunter bücken, uns mit den sogenannten psycho-
pathisch Minderwertigen einen Augenblick lang beschäftigen.
Zwei Gruppen solcher sind nach Paul Sollier zu unterscheiden:
Schwachsinnige und Imbezille. Bei den Schwachsinnigen sind die
intellektuellen Kräfte stark unternormal, so zwar, dafs kaum noch,
oder so, dafs beschränkter Unterricht möglich ist. In jenem Falle
sprechen wir von Stumpf- oder Blödsinn, in diesem von mittlerer
Schwachsinnigkeit. Natürlich ist aber auch hierbei die Erzielung
wirklicher Intelligenz gänzlich ausgeschlossen. Bei der Imbezillität
handelt es sich um Mängel des Intellektes und des Gemütes. Die
Imbezillen sind Schwachsinnige mit ausgesprochenem Hang zum
Bösen. Unterricht ist bei ihnen möglich, jenachdem es sich um
gröfseren oder geringeren Schwachsinn dabei handelt. Die Ge-
wöhnung dagegen prallt zumeist völlig machtlos von diesen
Individuen ab. Dieselben müssen daher, um sie unschädlich zu
machen, von der menschlichen Gesellschaft für die ganze Dauer
ihres Lebens getrennt und beständig in besonderen Anstalten unter
strenger Kontrolle gehalten werden.
AU das bezüglich der Gemütsbildung zuletzt Ausgeführte
scheint allerdings dem zuvor über Schopenhauer Gesagten zu
widersprechen. Das ist aber doch nicht der Fall. Nur unter
ganz besonders ungünstigen Verhältnissen ist das Gemüt des
Menschen gänzlich unbeeinflufsbar, also unbildsam. Und wohl
geht die Wirkung der Erziehung ganz allgemeinhin blofs so weit,
als die Anlagen des Zöglings reichen, als es die Beschaffenheit
seiner psycho - physischen Wesenheit zuläfst. Aber bei dem
normalen Durchschnitt ist eben diese Beschaffenheit von der
Art, dafs sich mit Hilfe guter Erziehung befriedigende Resultate
ergeben. Da ist es eben möglich, durch Gewöhnung, wenn ich
mich einer etwas trivialen Redewendung bedienen darf, dem Guten,
das im Zöglinge schlummert, das Übergewicht über seine schlimmen
Triebe zu sichern. Das Gemütsleben des Menschen entzieht sich
somit nicht, wie Schopenhauer annimmt, jeglicher Beeinflussung.
— Wie bei den unter dem mittleren Mafs zurückbleibenden