Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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400 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Zucht gehört auch dies,
den Zögling zur Selbstbeherrschung in geschlechtlicher
Beziehung zu führen. Die diesbezügliche Fürsorge hat nament-
lich vom Eintritte der Pubertät an zu beginnen und während des
Jünglings- und Jungfrauenalters fort und fort sich zu bethätigen.
Hierbei ist es ebenfalls wieder das Anhalten zu gesunder, tüch-
tiger Thätigkeit, das man sich angelegen sein lassen mufs; denn
solche ist ein Hauptmittel zur Disziplinierung der Begierden:
Müfsiggang, wie er der Boden der Genufssucht ist, ist auch der
Boden der Weichlichkeit und der geschlechtlichen Entartung, also
ebenfalls in dieser Hinsicht der Anfang alles Lasters. Desgleichen
ist die Gewöhnung an ein einfaches und mäfsiges Leben für die
Erziehung zur geschlechtlichen Selbstbeherrschung geradeso wichtig
wie für die Erziehung zur Selbstbeherrschung in anderer Hinsicht,
also auch hier wieder aufs stärkste zu betonen. Weiterhin mufs
darauf aufmerksam gemacht werden, dafs es gilt, auf den Umgang
des Zöglings und seine Lektüre aufs sorgfältigste zu achten. Nie darf
derselbe der Obhut ungebildeter oder gar roher Dienstboten überlassen
werden. Unsaubere Elemente unter den Kameraden merze man
schonungslos und rücksichtslos aus; unsaubere Bücher dürfen gar
nicht ins Haus kommen. Wie überhaupt so ist auch für diesen
besonderen Fall die Gewöhnung an Offenheit unbedingt er-
forderlich. Dieselbe fällt bei der schon einmal hervorgehobenen
Thatsache, dals das Kind von Natur offen ist, nicht schwer. Das
Kind hat das Bedürfnis, über alles, was es sieht, was es erföhrt,
mit dem Erzieher zu sprechen. Diesem Bedürfnisse komme der-
selbe aber auch seinerseits stets entgegen; er weise das Kind nie
mit seinen Fragen und Mitteilungen, welcher Art dieselben auch
sein mögen, zurück, sondern stehe stets Rede und Antwort. Mufs
das Kind sich scheuen, über das, was es gelesen, gesehen oder
gehört hat, Fragen zu stellen, so beschäftigt es sich damit in
Gedanken und zwar um so intensiver, je weniger verständlich ihm
diese Dinge sind: dadurch wird aber seine Phantasie allmählich
vergiftet. Dafs das Kind mancherlei geschlechtliche Details er-
fährt, das ist ja ganz sicher; das kann auch die allersorg-
samste Überwachung des Umganges und der Lektüre nicht ver-
hindern. Es fällt ihm ein Witzblatt in die Hände, und es liest
darin mehr oder weniger deutliche Anspielungen. Es macht Be-
obachtungen an Tieren; es kommt in der Schule oder auf dem Spiel-
platze oder auf der Strafse mit Wissenden zusammen. Das bedenken
soviele Erzieher nicht und meinen, wenn sie das Kind mit Fragen