Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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398 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
abgespeist werden, wie die Erfahrung genugsam lehrt. Man
öffne über die wahre Sachlage der heranwachsenden Jugend, an
ihr soziales Empfinden und an ihr Ehrgefühl appellierend, die
Augen und zwar der männlichen sowohl wie der weiblichen. Ich
betone ausdrücklich: auch der weiblichen; denn es ist die Ansicht
noch sehr weit verbreitet, es müfsten die jungen Mädchen,
namentlich der sogen, besseren Familien, sorgfältig vor der Kennt-
nis dieser Dinge bewahrt werden. Was für Mütter, frage ich,
können solche Mädchen dereinst abgeben, die nichts vom Leben,
wie es wirklich ist, wissen! Ganz abgesehen davon, dafs für diese
Mädchen, sofern sie nicht heiraten und keinen Beruf ergreifen
(was ihnen ja zumeist nicht gestattet wird, da für ein Mädchen
aus sogen, guter Familie ein Beruf nicht als „chic" gilt), das ganze
Leben ein leeres und verfehltes ist, wie dies in packendster und
ergreifendster Weise Gabriele Reuter in ihrem, schon ein-
mal erwähnten Roman „Aus guter Familie" uns vor Augen
führt und ebenso Frieda von Bülow in ihrer Novellen-
Sammlung „Einsame Frauen". Wenn derartigen, den traurigsten
Thatsachen des Lebens entsprechenden Darstellungen gegenüber,
sogar von pädagogischer Seite, behauptet wird, es handle sich
dabei nicht um ein wirkliches Unbefriedigtsein der Frau, sondern
nur um das Haschen nach neuen Anreizungen, neuen Emotionen
und Stimulantien, so thut sich darin eine Dreistigkeit, ja Fri-
volität ohne gleichen kund, die blofs noch von der Unkenntnis
der wahren Sachlage übertroffen wird. Und das bei einem
Jugendbildner! Solcher, jeder Begründung entbehrenden Behaup-
tung „auch" eines Erziehers gegenüber ist, auf Grund der That-
sachen der Erfahrung, zu sagen, dafs die Frauen im Bewufstsein,
im quälenden Bewulstsein der Leere und Öde ihres Lebens, das
sie als „Damen" zu führen gezwungen werden, nach neuen Pflichten
verlangen. Solche müssen ihnen auch werden, und ich behaupte
sogar ganz getrost, dafs eine Besserung der Verhältnisse nicht
eher abzusehen ist, bis nicht die Frauen geradeso wie die Männer
ganz im vollen öffentlichen Leben drinstehen; bis ihnen volle
soziale und politische Gleichberechtigung mit den Männern zu-
gestanden worden ist. Denn das in der Frau vorhandene Mutter-
gefühl, das sich so leicht zum Allmuttergefühl erweitert, ver-
anlalst sie zu einer weit intensiveren Hingabe an die Arbeit im
Dienste und für das Wohl anderer, der Gesamtheit, als dies bei
den Männern der Fall und überhaupt möglich ist. Aufserdem sei
in diesem Zusammenbang darauf hingewiesen, dafs es eine That-