Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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396 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
es soweit gekommen ist, wie es gegenwärtig der Fall ist: es
hat ihnen der Mut gefehlt, sie haben sich aus Feigheit gebeugt
— aus feiger Streberhaftigkeit. Die fortschreitende Zivilisation
vermehrt nämlich beständig die Anzahl der Staatsbeamten; die
Regierenden betrachten dieselben als von ihnen unmittelbar ab-
hängig, und jene haben sich das ruhig gefallen lassen. Sie haben
dem Verlangen ihrer Vorgesetzten, die von den Untergebenen
striktesten Gehorsam, Aufopferung des eigenen Willens fordern,
entsprochen, um zu prosperieren. Die Kehrseite der Medaille ist
die immer weiter um sich greifende Korruption und der Nihilismus.
Demgegenüber fällt der Erziehung eine sehr erhabene Mission zu.
Es gilt, die Kinder von klein auf zur strengsten Wahrhaftigkeit
zu erziehen; sie daran zu gewöhnen, stets die Wahrheit zu
sprechen. Auf zweierlei Mafsnahmen will ich dabei besonders hin-
weisen. Der Erzieher begegne dem Zögling stets mit Vertrauen
und Achtung. Das kann er auch getrost; denn das normale,
gesunde Kind ist von Natur aus offen. Und ferner hüte er sich
vor übergrolser Strenge, d. h. vor Härte. Härte und Mifstrauen
erzeugen Furcht, und Furcht ist die Mutter der Lüge. Ein Er-
zieher mufs ein bifschen Humor haben. Manche treffende dies-
bezügliche Bemerkungen enthalten Salzmanns ,Ameisenbüchlein'
und , Krebsbüchlein
Neben der Tapferkeit ist ferner zu nennen die Selbst-
beherrschung. Dieselbe ist die Widerstandskraft gegen die
Reizungen der Lust und Begierde; ihr Gegenteil ist die Zügel-
losigkeit. Das Tier besitzt keine Selbstbeherrschung; es folgt den
Augenblicks - Begierden. Zügellosigkeit ist somit Rückfall ins
tierische Leben. Die Wirkung der Selbstbeherrschung ist die zu-
friedene Heiterkeit des Gemüts; die Wirkung der Zügellosigkeit
ist die mifsmutige und unzufriedene Stimmung und der Verlust
der Wohlfahrt. Die Erziehung soll dem Kinde zur Tugend der
Selbstbeherrschung durch Gewöhnung verhelfen, zu der sich
allmählich die Anleitung zur freiwilligen Enthaltung hin-
zugesellen mufs. Vorübungen dazu sind schon im frühen Kindes-
alter vonnöten; eine solche besteht z. B. in der Gewährung
eines kleinen Taschengeldes, über dessen Verbrauch genaue
Rechenschaft abzulegen ist. Von diesem Gesichtspunkte aus
könnte man auch Schulsparkassen als eine praktische Einrich-
tung bezeichnen, indem dieselben die Freude am Besitz erwecken
und der Verschwendung entgegenwirken. Anderseits stehen dieser
Einrichtung jedoch sehr grofse pädagogische Bedenken entgegen.