Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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394 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Wie in vielen anderen Beziehungen so sollen die Erzieher
auch darin der Natur, der grofsen Zucht- und Lehrmeisterin,
folgen, dafs sie nicht willkürlich bestrafen und belohnen.
Durch willkürliches Strafen und Belohnen erwecken sie in den
Zöglingen den Glauben, dafs auch in der Natur die Willkür walte.
An Stelle der willkürlichen Strafen mufs im Verlaufe der kind-
lichen Entwickelung mehr und mehr die grofse belehrende
Kraft der natürlichen Rückwirkungen treten. Die willkür-
lichen Strafen sind nicht ganz zu entbehren im Anfange der Er-
ziehung; sie sollen dem Kinde sein Benehmen als ungehörig fühl-
bar machen, ehe es noch die belehrende Kraft der natürlichen
Rückwirkungen erkennen und begreifen kann. Wenn es aber erst
soweit gekommen ist, dann sollen sie allmählich ganz in den
Hintergrund treten. Die nächste Ursache, weshalb dies gewöhn-
lich nicht geschieht, ist die Ungeduld der Erzieher; wird doch
überhaupt in der Erziehung aufserordentlich viel durch Ungeduld
gesündigt und versehen. Mit ihr verbunden ist der Zorn, und
mit Schelten und Strafen will man denselben alsdann wieder be-
schwichtigen. Es kommen ferner auch noch hinzu die in der
menschlichen Natur überall vorhandenen despotischen Neigungen.
Namentlich knechtische Gesinnung nach oben schlägt nach unten
sehr oft in Despotismus um. Der Erzieher soll aber nicht der
Herr, sondern der Diener der kindlichen Natur sein, die er ent-
wickeln soll. Despotismus hat immer passiven Widerstand zur
Folge, und solcher ist unbesiegbar. Auch sei der Erzieher stets
des alten Spruches eingedenk, welcher lautet: „Unsere Kinder
werden einst unsere Richter sein!" Was aber im besonderen noch
die Beachtung des grofsen erzieherischen Wertes der natürlichen
Rückwirkungen betrifft und das allmähliche Eintretenlassen derselben
an Stelle der willkürlichen Strafen, so brauche ich nur auf die
wahrhaft ausgezeichneten Ausführungen in Rousseaus „Emile"
hinzuweisen: etwas in dieser Beziehung Besseres ist seitdem nicht
geschrieben worden und läfst sich auch kaum sagen.
§ 4«.
Ich wende mich nunmehr zur Betrachtung der Bildung der
einzelnen Seiten des Willens. Der Mensch ist, wie wir
wissen, ein egoistisches und ein soziales Wesen, ausgestattet mit
idiopathischen und sympathischen Neigungen und Willensantrieben.
Als wichtigste der individuahstischen Tugenden haben wir folgende
zu betrachten. An erster Stelle nenne ich die Tapferkeit. Um