Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 393
liehe Züchtigung dann leicht Trotz oder knechtische Unterwürfig-
keit; dem künftigen Manne, der künftigen Frau aber darf nicht
die Widerstandsfähigkeit fehlen, da sich sonst leicht ein nieder-
trächtiger Charakter entwickelt. Ein besseres Mittel ist hier das
Versagen und Entziehen der freundlichen Teilnahme,
die Einwirkung auf das Ehrgefühl. Schläge gehören daher
im grofsen und ganzen nicht in die Schule; denn diese hat es
mit Knaben und Mädchen, nicht mehr mit „Kindern" zu thun.
Die moderne Schule soll sich auch in dieser Hinsicht vorteilhaft
von der alten unterscheiden. Früher war bekanntlich in der
Schule die Rute das Haupt-Zuchtmittel, auch in der gelehrten, ja
sogar noch auf der Universität. Eine Regel aus dem vorigen
Jahrhundert, welche die Zucht in den gelehrten Schulen sehr
treffend charakterisiert, lautet: „Regelmäfsige Verben sind solche,
bei denen es nicht regelmäfsig, unregelmälsige Verben dagegen
solche, bei denen es regelmäfsig Schläge giebt". Freilich absolut
entbehrlich wird die körperliche Züchtigung auch im Schulleben,
überhaupt in der öffentlichen Erziehung nicht sein. Sie wird
für besonders boshafte und schlechte Streiche eintreten müssen,
jedoch nur in den ersten Jahren der Schulpflicht: später ist die
Prügelstrafe allerdings etwas Rohes und Verrohendes und daher
durchaus zu verwerfen. Dann hat an ihre Stelle in besonders
schlimmen Fällen die Strafe der Freiheits-Entziehung zu treten.
Bei der körperlichen Züchtigung, die u. a. in der Schule be-
gangene Vergehen nötig machen, darf dieselbe aber nicht vom
Lehrer ausgeübt werden, sondern von einer anderen Persönlichkeit,
etwa dem Schuldiener und zwar in Gegenwart der Eltern oder
Pfleger des betreffenden Kindes und nach Rücksprache mit dem
Schulleiter, bezw. nach Erörterung des Falles vor der Ortsschul-
behörde. Von einem Nachhinken der Strafe, von einem Eintritte
der Strafe, wenn das Vergehen vom Schüler schon wieder ver-
gessen ist, kann dabei keine Rede sein, weil diese Art der Be-
strafung ja nur in ganz schweren Fällen angewendet werden soll^
und solche vergifst der Zögling nicht so rasch. Zudem empfiehlt
sich dieses Vorgehen um seiner Öffentlichkeit willen deshalb, weil
dieser Umstand, allen bekannt, eine heilsame einschüchternde und
abschreckende Wirkung ausübt. Den Lehrer ganz aus dem Spiele
dabei zu lassen, das gebietet ebenfalls die Klugheit; da ihm
gegenüber die natürliche Liebe des Zöglings fehlt, zieht er durch
eine derartige intensive Bestrafung sich leicht den Hafs desselben
zu, wenn er selbst sie ausübt.