Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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392 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
dem Erzieher die Natur, welche sich niemals erweichen läfst: durch
eine Wand z. B. kann niemand hindurch. Die Schwäche, die
Inkonsequenz des Erziehers macht auch den Zögling unsicher.
Strenges Regiment — gutes Regiment, schwaches Regiment —
schlechtes Regiment. Der strenge Herr verschafft sich Achtung
und schliefslich Liebe; beim schwachen tritt Mifsachtung und end-
lich Hafs auf. Strenge setzt sich durch ohne viel Aufregung und
viel Aufhebens von der Sache zu machen. Der schwache Wille
greift schlielslich zum Zorn, der dann blindlings verfährt. Der
Erzieher nehme sich den Arzt zum Muster; derselbe wird nicht
böse, wenn auch der Kranke nicht gesund wird. Ganz fremd vor
allem mufs dem Erzieher der Zorn wegen einer ihm vom Zög-
ling zugefügten Beleidigung bleiben; er kann von demselben ja
gar nicht beleidigt werden, da dieser ihm nicht gleichsteht.
Was die Strafmittel betrifft, so ist Folgendes zu bemerken.
Die Rute ist ein solches von psycho-physischer Bedeutung, das
seiner nächsten Wirkung immer sicher ist, namentlich bei Kin-
dern im unteren Lebensalter, welche noch nicht gelernt haben,
Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten. Bei diesen ist es immer
am besten, wenn man, natürlich zu rechter Zeit, auf ihr Gefühl
unmittelbar einwirkt. Besonders auch die vorgebliche Nervosität
der Kinder ist am ehesten durch die Rute auszutreiben. Es ist
eine ganz falsche, sich heutzutage in der Pädagogik breit-
machende Sentimentalität, die von der körperlichen Züchtigung gar
nichts mehr wissen will. Man spricht davon, dals dieselbe der
Würde des Menschen nicht angemessen sei; dals ihre Anwendung
ein Zeichen von Roheit sei und verrohend wirke. Nun ich meine,
wir brauchen uns wieder nur an die Natur zu halten: dieselbe
kümmert sich weder um die Würde des Menschen noch um sonst
etwas Derartiges; sie erlegt ihm eben einfach körperliche Schmerzen
auf, wenn er sich irgendwie gegen sie vergangen hat, sei es durch
Völlerei oder durch irgend etwas anderes. Auch habe ich noch
nie gefunden, dafs dadurch die betreffenden Personen verroht
wären. Und der in die Fufsstapfen der Natur tretende Erzieher
soll es unter Umständen ebenso machen, und er wird dann ebenso-
wenig der Würde des Menschen Abbruch thun und zu des Zög-
lings Verrohung beitragen. Aber gewifs soU im Verlaufe der
Entwickelung des Zöglings die körperliche Züchtigung mehr und
mehr in Wegfall kommen. Es ist ein peinliches Gefühl, in die
mehr fortgeschrittene körperliche Entwickelung des Knaben und
des Mädchens gewaltsam einzugreifen. Auch erzeugt die körper-