Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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22 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
das gilt besonders hinsichtlich des Gemtitslebens des Kindes. Was
den Intellekt betrifft, so kämpfen gegen angeborene Dummheit
wie die Götter so auch die Erzieher vergebens. Allerdings ist
das auch bezüglich dessen der Fall, was man als gemütliche
Perversität, moralischen Defekt oder ähnlich bezeichnet. Aber
während auch bei geringerer intellektueller Stupidität die Er-
ziehung so gut wie nichts auszurichten vermag, ist sie selbst
starken unmoralischen Trieben gegenüber, sofern eben nicht
Perversität vorliegt, in der glücklichen Lage, auf dieselben um-
gestaltend, umbildend wirken zu können. So kann z. B. bei
Individuen mit lebhaften egoistischen Neigungen das Mitgefühl
künstlich gestärkt werden. Das Mittel, das dabei in Betracht
kommt, ist die Gewöhnung: solche Gefühle nämlich, welche oft
hervortreten, werden schliefslich starke Gefühle. — Um jedoch
in dem, was ich zuletzt ausgeführt habe, nicht mifsverstanden zu
werden, füge ich noch besonders, dadurch auch das früher schon
Gesagte erläuternd, hinzu, dass die Bildung des Gemütes wohl
unter Umständen leichter ist als die des Intellektes, aber durch-
aus nicht für gewöhnlich. Zumeist ist dieselbe viel schwieriger
und viel unsicherer, schon deshalb, weil das Fühlen weit sub-
jektiver ist als das Vorstellen. Meine letzten Bemerkungen be-
zogen sich ja nicht auf den normalen Durchschnitt der Intelligenz,
sondern auf Individuen, welche hinter demselben zurückstehen, auf
Zöglinge gleichsam unter dem Strich. Und diesen stellte ich
solche gegenüber, welche auf dem Gebiete des Gefühlslebens,
wenn auch nicht ganz normal, so doch nur wenig von dem
Durchschnitt entfernt sind, nur kleine Abweichungen zeigen.
Normalität gegen Normalität gehalten ergiebt ein anderes, eben
das schon angeführte Resultat, dafs die intellektuelle Bildung
leichter und sicherer vonstatten geht als die Gemütsbildung. Wie
dem aber auch sein möge, jedenfalls ist die Bildsamkeit der
Individuen eine Thatsache, deren Bedeutung freilich nicht über-
schätzt werden darf. Sie reicht im wesentlichen nur so weit, als
die natürlichen, auf Vererbung und individueller Variation be-
ruhenden Anlagen reichen. Ja, ich könnte das „im wesentlichen",
ebenso wie das frühere „der Hauptsache nach" eigentlich getrost
weglassen. Denn bei Lichte besehen ist z. B. die Umwandlung
idiopathischer, egoistischer Neigungen in sympathische, in Mit-
gefühl gar keine Sache, die jene Einschränkungen rechtfertigt.
Dies Resultat ist freilich erreichbar durch Gewöhnung. Aber die
Möglichkeit ihres Erfolges ist doch wieder nur durch die individuelle