Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 389
Zögling die innere Anerkennung der Überlegenheit des Erziehers.
Es giebt verschiedene Grundlagen der Überlegenheit eines Wesens
über ein anderes. Nämlich 1. das Übergewicht der Kraft,
demgegenüber der Schwächere zunächst Furcht empfindet, auf
Grund dessen er sich aber auch an den Stärkeren mit der Bitte
um Hilfe und Beistand wendet, wenn er des Schutzes bedürftig
ist. 2. Die wirtschaftliche Überlegenheit; denn wer geben
oder verweigern kann, ist auch Autorität, der Bittende ist ab-
hängig. 3. Die geistige und sittliche Überlegenheit;
Autorität ist nur, wer an Einsicht und Tüchtigkeit jeder Art
überlegen ist. Diese Form der Autorität tritt in dem Mafse in den
Vordergrund, wie das Kind heranwächst. Die Empfindung, mit
welcher diese intellektuelle und moralische Überlegenheit anerkannt
wird, nennen wir Pietät, Ehrfurcht. Und diese ist die eigent-
liche Grundbedingung dauernder Einwirkung auf den Willen des
heranwachsenden Menschen. Ehrfurcht, sagt Carlyle einmal sehr
richtig, ist die Krone des ganzen moralischen Menschentums. Die
Unfähigkeit, Ehrfurcht zu empfinden, ist die Frechheit. Dieselbe
geht jedoch sehr wohl Hand in Hand mit dem Schein der Ehr-
furcht, nämlich mit dem Servilismus, dem Knechtssinn; wie ander-
seits mit der echten Ehrfurcht sehr gut sich der Freimut ver-
trägt. Darin sündigen die Erzieher leider sehr oft, dafs sie den
Freimut mit der Frechheit verwechseln, wie dies in ganz ähn-
licher Weise auch fort und fort im öffentlichen Leben geschieht:
von allen Seiten wirft man ja unserer demokratischen Zeit Unbot-
mäfsigkeit vor. Salzmann giebt dem Erzieher den Rat, wenn
einmal etwas nicht recht in Ordnung ist, erst bei sich selbst nach-
zuforschen, ob da alles in Ordnung ist. Es ist in der gesunden,
normalen menschlichen Natur ein Zug vorhanden, verehren zu
wollen. Fehlt es an rechter Pietät, so wird es zuerst jedenfalls
an Autorität fehlen. Wie dies von dem Verhältnisse gilt, das
zwischen Erzieher und Zögling besteht, so gilt es auch bezüglich
aller sonstigen Autoritäts-Verhältnisse, auch bezüglich des zwischen
Bürger und Obrigkeit bestehenden. Dafs dem wirklich so ist, das
lehrt die Geschichte unwiderleglich. Gut ist, sagt Aristoteles
einmal, die Regierung, deren Zweck die Wohlfahrt der Regierten
ist; entartet ist die Regierung, deren Zweck die Wohlfahrt der
Regierenden ist. Und eben das ist nur zu oft der Fall; und dann
wundert man sich, dafs die Ehrfurcht vor der Regierung schwin-
det; dann spricht man von der Frechheit und Unbotmäfsigkeit
der Regierten, statt bei sich selbst nachzuforschen, ob man nicht