Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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388 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Lust' und ,die fürchtende Unlust' von den Folgen des sittlichen
oder unsittlichen Thuns auf dessen Gegenstand selbst übertragen
worden. Mit anderen Worten: der Mensch, der zuerst die Lüge
z. B. scheut aus Furcht vor der Strafe, die ihn erwartet, wenn
er lügt, will später von der Lüge nichts mehr wissen, weil er
Abscheu vor ihr selbst empfindet, indem das Gefühl der Unlust,
das sich mit der Vorstellung Lüge anfänglich so verbindet, dafs
es sich auf die sie begleitenden üblen Folgen bezieht, schliefslich
von ihr selbst untrennbar geworden ist. Treffend sagt in dieser
Beziehung Münsterberg einmal: „Das Kind lernt etwas zu thun
oder zu scheuen dadurch, dafs es die Folgen erhofft oder fürchtet,
und thut es später, wo es im Gegenteil einsieht, dafs das Ge-
botene auch unangenehme Folgen haben kann, trotzdem jenem
erlernten Gebote gemäfs, weil es jetzt seine stärksten Gefühle
nicht mit den Folgen, sondern mit der gebotenen Handlung
selbst verbindet', infolge eben der Gewöhnung. Auf diese Weise
setzt sich im Menschen die Überzeugung von der Verbindlich-
keit des Sittengebotes fest. Ganz ähnlich hat sich übrigens auch
die generelle sittliche Entwickelung vollzogen. Die Gewissens-
Entwickelung der Menschheit geht von der Heteronomie zur Au-
tonomie. Weist die Stimme des Gewissens anfänglich auf einen
Gesetzgeber aufserhalb seiner hin, der die Befolgung seiner Ge-
bote belohnt, die Übertretung derselben bestraft, so erscheint es
später selbst als der Gesetzgeber; Lohn und Strafe fallen weg, an
ihre Stelle treten die moralische Zufriedenheit und der Selbst-
vorwurf: der Mensch wird sich selbst Autorität.
Von grofser Wichtigkeit für die Gewöhnung als Hauptmittel
der Zucht ist in erster Linie das Vorbild des Erziehers, also Um-
gang und Beispiel. Das Kind wiederholt das, was sich seiner
Anschauung darbietet, infolge des bei ihm aufserordentlich stark
ausgeprägten Nachahmungstriebes. Wo das Vorbild fehlt, da ist
alles andere umsonst. Da ich davon schon ausführlich gesprochen
habe, erübrigt sich ein weiteres Eingehen auf diesen Punkt. Ferner
ist nun für die Charakterbildung von grofsem Werte die Autori-
tät und, was zu ihr in innigster Beziehung steht, der Gehorsam.
Gehorsam ist die dauernde Unterwerfung unter einen fremden
Willen. Er ist nur möglich auf der Grundlage eines Autoritäts-
Verhältnisses. Ein solches kann nicht künstlich hergestellt wer-
den, es entsteht vielmehr überall da ganz von selbst, wo ein
höheres und ein niederes, ein fertiges und ein unfertiges Leben
in Wechselwirkung miteinander treten. Autorität ist für den