Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 387
Die Zucht.
§ 45.
Ist, wie wir wissen, die Pflege diejenige Funktion, auf welche
die häusliche Erziehung anfänglich den Hauptnachdruck zu legen
hat, so tritt später, wenn der Organismus des Kindes mehr und
mehr erstarkt, und wenn die Schule sich die geistige Pflege an-
gelegen sein läfst, wie auch schon betont, die Zucht in den
Vordergrund der häuslichen Erziehung. Bei derselben handelt es
sich um Versittlichung des Zöglings, um seine Gemüts-, seine
Charakterbildung, um die Bildung seines Trieb- und Gefühls-
lebens , sofern es zum Willensleben in Beziehung steht. Das
Mittel, das bei der Handhabung dieser Funktion dem Erzieher
zu Gebote steht, ist die Gewöhnung. Neben derselben kommt
allerdings auch Belehrung und Ermahnung in Betracht; aber das
eine wie das andere ist von nur untergeordneter Bedeutung, be-
sonders für das Kindes- und das Knaben- und Mädchenalter. Erst
im Jünglings- und Jungfrauenalter sind auch Belehrungen und Er-
mahnungen von gröfserem Werte. Wer sie zur Hauptsache macht,
der befindet sich, wie ich dies des Näheren nachgewiesen habe,
in einem grofsen Irrtume. Wenn wir die sittlichen Gebote und
Verbote nur als Ratschläge empfangen und als weiter nichts, so
kommen wir niemals dahin, dieselben für unbedingt verpflichtende
zu halten, weil dann jene Regeln sich nicht innig genug mit
unserem Gefühlsleben assoziieren können. Das hat erst die Ge-
wöhnung zur Folge unter Anwendung der ihr zu Gebote stehen-
den Mittel: Umgang und Beispiel, Lohn und Strafe. Freilich be-
steht kein innerer Zusammenhang zwischen dem Thun des Guten
oder Bösen und der darauf folgenden Belohnung oder Bestrafung,
z. B. zwischen der Lüge des Kindes und der ihm dafür vom Er-
zieher zuteil werdenden Züchtigung. Und freilich kommt der
Zöghng auch allmählich dahinter, dafs dies ein blofs äufserlicher
Zusammenhang ist. Aber das thut gar nichts zur Sache. Ehe
nämlich der werdende Mensch soweit gelangt ist, dies alles zu
durchschauen, hat sich eine neue feste Verbindung von Gefühl
und Vorstellung gebildet, welche jene andere zu ersetzen voll-
kommen imstande ist. War zuerst das Gebot mit einem nützlichen
oder schädlichen Erfolge verknüpft, derart, dafs das „ausschlag-
gebende" Gefühl Hoffnung auf Lohn oder Furcht vor Strafe war,
so ist allmählich dieses Zwischenglied ausgefallen. Durch die Ge-
wöhnung ist nämlich noch ein anderes erreicht, ist „die hoffende
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