Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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384 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
und Bethätigung zu verschaffen, indem sie ihm angemessene An-
leitung giebt. Die drei Formen des ästhetischen Spieltriebes
kennen wir schon; es sind, um es nochmals kurz ins Gedächtnis
zurückzurufen: 1. der Trieb, die Formen der Dinge aufzufassen
und nachzubilden; 2. die Lust an rhythmisch - melodischen Ton-
folgen und 3. die Freude an der Beschäftigung mit Gestalten,
die in der Einbildung entworfen werden. Die Ausbildung dieses
dreifachen ästhetischen Spieltriebes ist Sache der Erziehung, so-
fern sie auftritt als ästhetische Bildung. Als solche ist sie zu-
nächst blofses ästhetisches Spiel, das in engster Beziehung zu dem
übrigen, namentlich dem Phantasiespiel steht — nämlich in der
Kinderzeit, aber auch noch darüber hinaus, überhaupt vorzugs-
weise in der häuslichen Erziehung. Wie dies im einzelnen zu
geschehen habe, das legt in treflender Weise Konrad Lange auf
den ersten 76 Seiten seines Buches dar, das den Titel führt „Die
künstlerische Erziehung der deutschen Jugend" und allen
Erziehern aufs wärmste empfohlen werden kann. In der öffent-
lichen Erziehung knüpft daran dann der eigentliche Kunst-
Unterricht an. Dem erstgenannten Triebe kommt der Zeichen-
Unterricht entgegen. Derselbe darf aber nicht dabei stehen
bleiben, nach Vorlageblättern zeichnen zu lassen, sondern er
mufs auch zum Zeichnen nach Körpern und, wo es angeht, nach
der Natur fortschreiten. Ferner gilt es, Körper nicht blofs nach-
zeichnen, sondern auch nachbilden zu lassen; zum Zeichenunter-
richte mufs also der Modellierunterricht ergänzend hinzu-
treten. Zweck des ganzen Unterrichts kann es natürlich nicht
sein, Virtuosen auszubilden, sondern eben nur zum teilnehmenden
Verständnisse der bildenden Kunst und der Kunstformen in der
Natur hinzuführen. Ferner: alle Kinder hören gern Gesang und
Spiel und sind immer zur Nachahmung bereit. An diesen Trieb
kann der Gesang Unterricht anknüpfen. Dieser Unterricht ist
schon ziemlich alten Datums: er stammt aus der Zeit, da die
Schule in enger Verbindung mit der Kirche stand. Die ehemalige
Aufgabe der Schule in dieser Hinsicht war es, der Kirche den
Sängerchor zu liefern. Jetzt ist auch das weltliche Lied in den
Unterricht aufgenommen worden, sehr mit Recht, ja man mufs
sagen, dafs in Zukunft eigentlich nur dieses gepflegt zu werden
verdient. Denn es kann gar keinem Zweifel unterliegen, dafs, wie
ich noch besonders zeigen werde, die moderne öffentliche Erziehung
nichts, aber schlechterdings gar nichts mehr mit der Kirche zu
thun hat, und ferner dafs das geistliche, das Kirchenlied veraltete