Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 44. Das Spiel. 381
Beweis. Sehr erheblich ist durchweg die Zahl der Spielplätze ge-
wachsen. Auf die, an 804 Orte mit mehr als 5000 Einwohnern
gerichteten Anfragen haben 615, also 74,6®/o, geantwortet: von
diesen wird das Spiel in 457 Orten gepflegt; die Zahl ihrer Spiel-
Plätze stieg von 1890 bis 1900 von 1166 auf 2092, die Spielplatz-
fläche von 9 500 000 auf 18 500 000 qm.
Mit dem Spiel hängt nun weiterhin aufs innigste die Kunst
zusammen. Die Pflege des Spiels bedeutet somit gleichzeitig Für-
sorge für die künstlerische, die ästhetische Ausbildung des Zög-
lings. Kann man doch geradezu sagen, die Kunst ist nur eine
besondere Form des freien Spiels; sie ist ihrem Wesen nach Spiel,
nämlich Bethätigung der Kräfte ohne äufserlich anhangenden
Zweck. Sobald der Zweck zu lernen vorherrscht, verhalten wir
uns nicht mehr ästhetisch. Daher erklärt auch die wissenschaft-
liche Ästhetik das Wohlgefallen am Schönen als ein un-
interessiertes Wohlgefallen. Der Kunst gegenüber verhalten wir
uns rein betrachtend, willenlos', wenigstens für einen Augenblick
— wir sind für eine kurze Zeit gleichsam erlöst vom Drange des
Willens. Und das eben ist die Seligkeit, die Freude, die wir beim
Anschauen von Kunstwerken und bei der Beschäftigung mit den
Künsten empfinden. Auch die Thätigkeit des Künstlers selbst ent-
springt anfänglich aus dem Spieltriebe; finden wir doch heute
noch bei primitiven Völkern das Bemalen und Verzieren von
Kleidern und Geräten und des Leibes mit zwecklosen Linien. Für
unsere Künstler ist freilich die Ausübung der Kunst kein blofses
Spiel mehr, sondern ernste Arbeit.
Die Kunst ist fernerhin als die Trägerin des ideellen Lebens
eines Volkes, als ein wesentliches Lebenselement der freien Thätig-
keit einer Nation zu bezeichnen. An ihr hat jedes Glied derselben
vollen Anteil ebensowie an der Sprache; denn wie diese ist sie
ursprünglich aus der Volksseele heraus- und emporgewachsen.
Heutzutage ist allerdings die Kunst nicht das, was sie sein könnte
und sein sollte. Unsere Kunst ist nicht für die Masse; sie ist dem
Volksleben fremd geworden, die bildende sowohl als auch die redende.
Am volkstümlichsten ist noch die Musik. Fragen wir nach den
Gründen dieser Erscheinung, so müssen wir sagen, dafs es ein
rein zufälliger Umstand ist, welcher die Kunst dem öffentlichen
Leben entfremdet hat; denn die Kunst ist an und für sich nicht
exklusiv wie etwa vielfach die Wissenschaft. Diese wendet sich
an den Verstand; ihre Werkzeuge sind Begriffe. Ein subtiler Ver-
stand ist aber nicht jedermanns Sache; auch haben die wenigsten