Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
Besitz eines besonderen Hirnteils, sondern auf der grofsen Erreg-
barkeit und leichten Leitbarkeit gewisser Nervenbahnen des Gehirns
und stärkerer Entwickelung einzelner Hirnteile. Diese allgemeine
Anlage, diese allgemeine Vorbedingung des Talents kann ganz
zweifellos vererbt werden, aber ihre Entfaltung nach dieser oder
jener Richtung hin ist oft vom Zufall abhängig. Wenn in einer
Malerfamilie ein talentvolles Kind geboren wird, so ist es leicht er-
klärlich, dafs dasselbe wieder Maler wird, dasselbe gilt für Dichter-,
Musiker-Kinder u. a. m.: das angeborene Talent, d. h. also die
angeborene höhere geistige Allgemeinanlage wird von frühester
Kindheit an nach einer bestimmten Richtung hin gelenkt und ent-
wickelt sich demgemäfs; eine gewifse, angeborene einseitige Ten-
denz mag immerhin für gewöhnlich auch noch dabei in Betracht
kommen, was wohl namentlich bei dem grofsen Talent als sicher
anzunehmen ist.
Der Mensch wird demnach, um es ganz kurz aus-
zudrücken, mit allgemeinen und mit besonderen An-
lagen geboren, welche sich jedoch nur entfalten können,
wenn die erforderlichen Entfaltungsreize gegeben sind,
und die sich dann auch wieder verschieden entfalten,
nämlich je nach der verschiedenen Art dieser Ent-
faltungsreize.
§ 5.
Kehren wir jetzt zu dem Ausgangspunkte all dieser Betrach-
tungen zurück, zu der Annahme, dafs das Kind Anlagen mit auf
die Welt bringt, welche teils durch Vererbung teils durch indivi-
duelle Variation gegeben sind, so ist nunmehr zu sagen, dass diese
Annahme eine wohl begründete, von der gesamten modernen
wissenschaftlichen Forschung gestützte und getragene ist. Die
Grenze zwischen dem, was auf hereditärer Übertragung und was
auf spontaner oder sonstiger Abänderung beruht, lälst sich jedoch
noch nicht mit Sicherheit ziehen. Aber ganz gewifs ist, dafs,
was immer und immer wieder betont werden mufs, jedes menschliche
Wesen durch zwei Reihen von Anlagen bestimmt ist. Diese
Anlagen als eine thatsächliche Gegebenheit setzen der Erziehung
gewisse Grenzen. Über die Schranke der spezifischen Beanlagung
kann dieselbe nicht hinaus. Sie kann der Hauptsache nach nur
die gegebenen Anlagen in der Richtung entwickeln, auf welche
dieselben hindeuten, und in dem Umfange, welchen dieselben zu-
lassen. Doch ist immerhin auch eine gewisse Umbildung möglich;