Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 43. Die Übung. 377
richtlichen BegrifFsbildung mächtig vorgearbeitet. Solche Asso-
ziations-Übungen sind sehr leicht anzustellen. Das Kind ist z. B.
beim Apfel-Essen dazu angehalten worden, genau auf die Charakte-
ristika des Apfels zu achten, indem es nie eine solche Frucht
geniefsen durfte, ehe es nicht dieselbe sorgfältig betrachtet und
nach ihren Merkmalen zergliedert hatte. Nun fordert man es auf,
in abstracto rasch diese Merkmale zu reproduzieren. So verfährt
man stets: einzelne Gegenstände werden erst in concreto betrachtet
und ihre Eigentümlichkeiten ins rechte Licht gerückt; Gegen-
stands-Komplexe werden beobachtet und in ihre Bestandteile zer-
legt, und hinterher läfst man die Kinder diese wie jene abstrakt
reproduzieren. Man spricht etwa zu dem Zögling: sage mir, woran
du denkst bei dem Wort Zucker oder Garten u. dgl. m. Der-
artige Übungen müssen täglich und zwar ganz ungezwungen vor-
genommen werden; der Erzieher mufs selbst dabei mitthun, wo
es nötig ist, auch vorthun und berichtigen.
Ganz ungezwungen mufs schlielsiich das Kind auch darin
geübt werden, dafs es sich in formal-gesellschaftlicher Be-
ziehung passend benimmt. Die Gelegenheit dazu bietet sich ja
unaufhörlich im Umgang mit den Eltern, Geschwistern, Verwandten,
Freunden, Kameraden, Dienstboten und fremden Besuchern, bei
den Mahlzeiten u. s. f. Nur übertreibe man die Sache nicht; denn
jene Übungen sind für das Kind in dem Alter, in welchem der
Geist noch unruhig und zerstreut und der Wille wenig konzen-
triert und wenig Herr seiner selbst ist, ziemlich beschwerlich:
man halte also, namentlich anfänglich, Mafs und begnüge sich
der Hauptsache nach zunächst damit, dafs das Kind sich so auf-
führt, dafs es Erwachsene nicht belästigt. Indem sich das Kind
allmählich mehr und mehr in „Manierlichkeit", in gesittetem,
zuvorkommendem und höflichem Betragen mit vollem Bewufst-
sein dessen, was es thut, übt, wird gleichzeitig der Zucht in die
Hände gearbeitet. Handelt es sich bei ihr auch im grofsen und
ganzen um unbewufste Gewöhnung, um die Beeinflussung des
kindlichen Trieblebens durch die, mit Hilfe der bekannten Mittel:
Autorität und Liebe, Lohn und Strafe, Lob und Tadel, Um-
gang und Beispiel, bewerkstelligte Führung der Erwachsenen, so
kann sie doch der bewufsten Gewöhnung, also eben der Übung,
keineswegs ganz entraten, ebensowenig wie der Inanspruchnahme
des Verstandes, wie wir im vorigen Paragraphen gesehen haben.
Nehmen wir nur einmal jene Konfliktsfälle, von denen ich sprach.
Die blofse Belehrung und Aufklärung genügt dabei keineswegs;