Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 43. Die Übung. 371
es darauf ankommt, beim Erlernen der schwierigen Laute Hilfen zu
geben, Fehler und Unarten beim Hervorbringen der Laute abzu-
stellen und auf ein deutliches, artikuliertes und wohltönendes
Sprechen hinzuwirken. Auch sind hier Übungen im gewandten
Hervorbringen solcher Lautfolgen am Platze, welche dadurch
Schwierigkeiten bereiten, dafs rasch hintereinander verschiedene
Teile der Sprachorgane in Thätigkeit gesetzt werden müssen. Solche
Lautfolgen sind bekanntlich sehr vielfach im Gebrauch und bei
Kindern ohnehin als Spiel beliebt. In Simrocks deutschem
Kinderbuche findet sich in dem Kapitel ,Sprachübungen" eine
Zusammenstellung derselben, welche dem Erzieher bei seinen dies-
bezüglichen Übungen gute Dienste zu leisten vermag. Doch sind,
wie schon früher betont, die absichtlichen, auf genauer Kenntnis
der Phonetik beruhenden Sprechübungen hauptsächlich Sache des
ersten Sprachunterrichtes in der Schule, der allerdings nicht als
Sonderfach, sondern in enger Verbindung mit dem Anschauungs-
unterrichte aufzutreten hat: indem für ihn noch nicht die gram-
matische Reglementierung der Sprache, sondern die Bereicherung
des Wortschatzes, die richtige Lautbildung und das zusammen-
hängende ausdrucksvolle Sprechen in Betracht kommen.
Übungen im zusammenhängenden und ausdrucks-
vollen Sprechen müssen übrigens auch im vorschulpflichtigen
Alter bereits vorgenommen werden; solche Übungen sind ein Teil
der auf die intellektuellen Vermögen sich erstreckenden Übung.
Als solche intellektuelle Vermögen kommen nämlich in Betracht
die sinnliche Anschauung, die Aufmerksamkeit, das Ge-
dächtnis und das Denken. Nun wissen wir, welch hohe Be-
deutung die Sprache für das Denken hat; Übungen im sinnvollen
Sprechen sind Übungen im Denken. Damit ist ein genügender
Hinweis gegeben, in welchem Sinne obige Bemerkung aufzufassen
ist. Um nun derartige Übungen erfolgreich vornehmen zu können,
mufs man des Interesses der Kinder sicher sein. Das ist der Fall,
wenn man ihnen von Zeit zu Zeit kleine Geschichten, Märchen,
Fabeln und aus dem Leben gegriffene Episoden, sogenannte Anek-
doten, erzählt und von ihnen verlangt, dafs sie dieselben repro-
duzieren und zwar in freier Wiedergabe des Gehörten. Auch
leichte Rätsel-, Frage- und Antwortspiele sind mit Vorteil zu
diesem Zwecke zu verwenden, ganz abgesehen davon, dafs die ge-
legentliche Belehrung sowohl wie ebenfalls später und noch dazu
in erhöhtem Mafse der systematische Unterricht für die Übung im
Denken von gröfstem Nutzen ist.
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