Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 40. Pflege und gelegentliche Belehrung. 367
herrlichung des kategorischen Imperativs bestimmten Gedichte der
von Räubern auf der Heimreise Überfallene Mensch, um nicht die
moralische Schuld einer Lüge auf sein Gewissen zu nehmen, den-
selben freiwillig sein Gold, das er bei der Plünderung durch eine
Notlüge gerettet hatte, preisgiebt, so kann man getrost sagen, dafs
der Dichter auf Kosten der Wahrheit seinen Helden geschildert
hat. Ja, man mufs sagen, dafs er damit ein ganz falsches Ideal
aufgestellt hat. Der Mann, der Familienvater ist, hatte doch
geradezu die Pflicht, bei seiner Notlüge zu beharren, um nicht
die Seinen in Not zu bringen; auch handelte er insofern direkt
unsittlich, als er ja geradezu die Räuber, also Leute, welche den
Gesellschaftsbestand gefährden, unterstützte. Dafs die Räuber so
liebenswürdig sein würden, ihm, gerührt von seiner Wahrheits-
liebe, das ganze geraubte Gut zurückzugeben, konnte er ja nicht
wissen, ganz abgesehen davon, dals dies wiederum ein durchaus
unwahrer, unpsychologischer Zug ist: echte Stralsenräuber würden
über solchen Gimpel nur gelacht haben und seelenvergnügt mit
ihrer Beute abgezogen sein. Ein normaler Mensch hätte den
Räubern natürlich nicht seinen letzten, wohl verborgenen und mit
Erfolg abgeleugneten Schatz ausgeliefert, sein Gattungstrieb
hätte ihn vor diesem thörichten Streiche bewahrt, seine Liebe zu
den Seinen. Und der Mensch, dessen Gattungstrieb durch die Er-
ziehung noch besonders gestärkt, der daran gewöhnt worden ist,
sich stets in Beziehung zur Gemeinschaft zu betrachten, wird
erst recht nie so thöricht wie jener Reisende sich benehmen.
Im grofsen und ganzen wird also der Mensch, dessen Triebleben
gehörig beeinflufst und gebildet worden ist, stets das Richtige
treffen, wenn er sich von ihm leiten läfst. Allzuviel Überlegung
führt sogar leicht in die Irre, erschwert jedenfalls, wofür Hamlet
eine ausgezeichnete Illustration ist, das Handeln, macht den Men-
schen zum hinundherschwankenden Zauderer. Aber wir müssen
eben auch Folgendes bedenken. Der Zögling soll daran gewöhnt
werden, stets die Wahrheit zu sagen und die Lüge zu verab-
scheuen. Hin und wieder jedoch kann er in Lagen kommen, wo
es geradezu unsittlich wäre, nicht zu lügen. Seinem Gattungs-
triebe, seinem Mitgefühle folgend wird er da wohl die Lüge
als Notlüge auf sich nehmen; aber er wird hinterher arge Ge-
wissensbisse spüren. Nun mufs freilich der starke Mensch auch
solche mit Würde ertragen können, sich sagend, dafs er nicht
anders handeln konnte, als er gehandelt hat. Aber wir müssen
doch dem vorzubeugen versuchen, dals er allzu schmerzlich