Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 40. Pflege und gelegentliche Belehrung. 365
zufuhren. Ein starker Nachdruck mufs natürlich bei der Privat-
lektüre ebenfalls auf die belehrende Litteratur gelegt werden,
kulturgeschichtliche, naturwissenschaftliche, anthropologische, geo-
graphische und dergleichen Bücher sollen unsere Kinder lesen,
und auch hier ist wieder nur das Beste gerade gut genug: nicht
seichte, verwässerte Schriften, sondern die Produkte der hervor-
ragenden Schriftsteller selbst sind der Jugend in die Hände zu
geben. Auch gute Biographien bedeutender Menschen sind heran-
zuziehen; dagegen sind jene verlogenen, sogenannten patriotischen
Darstellungen, welche auf die Verherrlichung irgendwelcher
Herrscher-Persönlichkeiten hinauslaufen, die oft nichts weniger
als eine solche Verherrlichung verdienen, gänzlich zu verwerfen,
ebenso wie die einseitig konfessionellen Schriften in majorem gloriam
Luthers oder sonstiger protestantischen und katholischen Glaubens-
helden. Nicht als ob Herrscherbiographien und die Biographien
von Glaubens-Männern ganz unberücksichtigt bleiben sollen, aber
sie müssen nur wirklich bedeutende Menschen zum Gegenstand
haben und dann deren Leben in ganz objektiver Weise darstellen,
mit allen Schattenseiten sogut wie mit den Lichtseiten. Wenn
man sich dagegen dazu herbeiläfst, wie dies sogar in Geschichts-
Präparationen für die Schule vorkommt, u. a. in den „Präpara-
tionen für den deutschen Geschichtsunterricht" von Herrmann und
Krell, z. B. aus der bekannten, höchst unerfreulichen Schrift
Luthers aus dem Jahre 1525 „Wider die aufrührerischen und
mörderischen Bauern" ein Loblied für ihren Verfasser zu dichten,
so verdient man als Biograph, dem die Objektivität völlig mangelt,
ignorierende Verachtung, die in höchstem Mafse denen zuteil werden
mufs, die sich sogar, was gar nicht selten der Fall ist, zu direkten
Geschichtsfälschungen aus loyaler oder kirchlicher Liebedienerei
hergeben. Vorzugsweise sind der Jugend die grofsen
Schaffenden vorzuführen, diejenigen, welche Tafeln
brechen und alte Werte, die sich ihre eigene Tugend er-
finden — mit anderen Worten: die grofsen Kultur-
heroen, die kühnen Erneuerer der Kultur in dieser oder
jener Beziehung, die tapferen Kultur-Pfadfinder, welche
ihr ganzes Sein an die Durchführung ihrer Ideen setzten
und mutig der ganzen Welt die Stirne boten, keine Rück-
sichten kannten und nahmen auf Überlebtes und Ver-
altetes, deren Leben völlig aufging im Dienste ihres
Volkes oder der gesamten Menschheit. Das ist das
Heldische von wirklichem und unvergänglichem Werte; der