Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 40. Pflege und gelegentliche Belehrung. 361
nur ein Zufall rettet den zarten Knaben vor dem Tode des Er-
frierens im Freien.
Man hüte sich also ja davor, das Kind zu überanstrengen:
die Anzeichen geistiger Ermüdung, welche der Erzieher am Zög-
linge wahrnimmt, sind Sturmsignale, sie müssen für ihn das Signal
sein, sofort die Arbeit zu unterbrechen, eine Pause eintreten zu
lassen. Solche Anzeichen giebt es mehrere; dieselben sind auch
leicht wahrnehmbar. In dieser Beziehung sind die Untersuchungen
Galtons, welche ^r mit Hilfe englischer Lehrer angestellt hat,
sehr beachtenswert. Er ermittelte auf Grund der Angaben von
116 Lehrern, dafs sich geistige Ermüdung hauptsächlich äufsert
in Muskelzuckungen des Gesichtes, der Finger, der Schultern,
der Beine, in Grimassen, Stirnrunzeln, Zusammenpressen der Lippen,
Neigung zu nervösem Lachen und allgemeiner Muskelunruhe.
Aufserdem kommen vasomotorische Erscheinungen vor. Erblassen,
fliegende Röte, Änderungen in der Farbe des Gesichts und der
Ohren, ferner Depression und Hyperästhesie der Sinne. Das sind
nach Angabe der Lehrer die gewöhnlichsten Zeichen beginnender
geistiger Ermüdung, und zwar sind das alles Symptome der Irri-
tabilität.*)
Auch das ist nichts weniger als vorteilhaft für die geistige
Entwickelung des Kindes, wenn man es, wie dies namentlich ältere
Leute gern thun, z. B. Grofsmütter und Grofsväter, zum Ver-
trauten seiner Sorgen und sorgenvollen Beobachtungen macht, mit
ihm in galliger, pessimistischer Weise von Welt, Leben und
Menschen spricht. Solche Kinder werden frühreif und leiden
wie Erwachsene, dabei ihr Leid noch übertreibend, unter jeder
kleinsten unangenehmen Erfahrung, die andere, normale Kinder
rasch vergessen und verschmerzen. Ich möchte zur Erläuterung
dessen wieder auf ein treffliches litterarisches Beispiel hinweisen,
auf die Erzählung von Elsbeth Meyer, „Das Drama eines Kindes",
eines Mädchens, das mit zwölf Jahren schon als die mit grofsem
Ernst behandelte Freundin aller Verwandten des Hauses, als Ver-
traute der cholerischen Grofsmütter in der Familie ihres Vaters
eine Stellung einnimmt, welche weder ihrem Alter noch ihren
Kräften noch ihrem Willen entspricht. Anny ist in dem mutter-
losen Heim eine Art Mittelpunkt für alle wahren und falschen
Interessen der anderen, wird von den Erwachsenen für deren
Zwecke gebraucht und daher in ein gutes Teil Leben der Er-
*) Man vergleiche: F. Galton, „Mental fatigue' im „Journal ofAnthrop.
Institute' 1889.