Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
die Vererbung individueller Eigentümlichkeiten aus. Es ist das
alles noch genauer aus der Darlegung der Hypothese selbst zu
ersehen. Ausgehend von den einfachsten Fällen, von den ein-
zelligen Organismen, erinnert Weismann daran, dals bei diesen
die Fortpflanzung durch Teilung stattfindet. Nehmen wir ein
erstes derartiges einzelliges Wesen. Dasselbe, Vater und Mutter
in einer Person, teilt sich, und es entsteht ein neues Wesen, ein
neuer Organismus, wieder einzellig, das Kind. Dasselbe reift heran;
es teilt sich schliefslich auch, und es entsteht abermals ein neues
Wesen. Und nun denke man sich diese Fortpflanzung durch
Teilung ins Unendliche weitergehen. Man sieht alsdann, dafs die
elterliche Substanz, die Substanz also des ersten Organismus,
kontinuierlich sich bis in die fernsten Zeiten erhält, in allen
Nachgeborenen vorhanden ist. Für die einzelligen Organismen
giebt es demnach, kann man paradox sagen, keinen Tod. Das ist
die Erscheinung, welche Weismann als Kontinuität des Keim-
plasma bezeichnet. Analog liegen aber auch die Dinge bei den
mehrzelligen Organismen. Bei diesen sind jedoch zwei Arten von
Plasmen zu unterscheiden, nämlich das Keim- und das Körper-
plasma, die ursprünglich im Plasma der niederstorganisierten
Wesen vereinigt waren. Dem Keimplasma sind bei den mehr-
zelligen Organismen umgelagert sehr viele Zellen von Körper-
plasma. Die Vererbung beruht auf dem Keimplasma, und dieses
ist auch hier einzellig und als solches kontinuierlich. In ihm
sind alle Anlagen angelegt und zwar als Gattnngs-Anlagen, welche
sich von Individuum zu Individuum durch die Generationen hin-
durch forterben. Diese Vererbung der Gattungsanlagen beruht
also auf einer unmittelbaren Übertragung körperlicher Moleküle
auch von der älteren Vorfahrenreihe und auf deren stets erneutem
Wachstum. So wird aus einem Adler immer wieder ein Adler,
und von einem Menschen stammt immer wieder ein Mensch.
Aber nicht nur generelle Anlagen sind in den Keimzellen an-
gelegt, sondern auch besondere, auch individuelle Anlagen,
entstanden durch irgendwelche, auf die Keimzellen variierend
wirkende Einflüsse. Sei es, dafs es sich dabei um spontane Ab-
änderungen handelt, sei es, dafs äufsere Einflüsse, welche dieselben
treffen, für die Variation mafsgebend sind. So werden in einem
gut genährten Organismus die Keimzellen auch gut genährt sein
und umgekehrt, in einem schwachen oder krankhaften Organismus
werden auch die Keimzellen nur kümmerlich heranwachsen. Daraus
ist ersichtlich, dass die Weismannsche Hypothese dem fertigen