Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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360 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
sund zu erhalten und kräftig und geschickt zu machen. Als
direkte geistige Pflege hat diese Funktion der Erziehung
sich, wie wir wissen, das geistige Wohlergehen des Zöglings un-
mittelbar angelegen sein zu lassen und für einen normalen Ablaut
der Entwickelung in dieser Richtung Sorge zu tragen; hierbei
berührt sich die Pflege, sofern es sich um das intellektuelle Wohl-
ergehen des Zöglings handelt, aufs engste mit der gelegentlichen
Belehrung, weshalb ich dieselbe gleich an dieser Stelle mit be-
sprechen möchte. Die unmittelbare geistige Pflege mufs daher
als wohldurchdachte geistige Diät auftreten. Dahin gehört in
erster Linie das, dafs man dem Kinde Zeit lassen mufs, sich ruhig
und stetig in geistiger Hinsicht zu entwickeln: man treibe und
sporne es nicht zu sehr an, stachle seinen Ehrgeiz nicht über-
mäfsig auf. Das Brillierenwollen mit grofsartigen geistigen
Leistungen des Kindes ist geradezu ein Verbrechen; denn der-
gleichen ist nur erreichbar durch eine unverhältnismäfsige geistige
Anstrengung, durch Überanstrengung des Gehirns. Dadurch wird
eine Blutüberfüllung der Hirngefäfse herbeigeführt, deren Folge
Überreizung und Übererregung des Hirns ist, woran auch weiter-
hin das ganze Nervensystem teilnimmt. Auf diese Weise wird
das Kind intellektuell mehr oder weniger stark geschädigt und
aufserdem auch noch moralisch gefährdet. Durch die Über-
reizung und Übererregung des gesamten Nervensystems werden
nämlich die Zeugungsorgane, wie das ja selbstverständlich ist,
ebenfalls mit betroff'en, und es wird in ihnen eine unnatürliche Er-
regbarkeit und Frühreife erzeugt. Zudem untergräbt man so nicht
blofs alle Fröhlichkeit, sondern auch alle Lebenslust und allen
Lebensmut des Kindes, wie August Sperl das einmal ergreifend
und lebenswahr in seinem Buch „Die Fahrt nach der alten Ur-
kunde" in dem Abschnitt „Karriere" schildert. Ein Vater, der
von seinem Sohne das Eine verlangt, immer nur das Eine, dafs er
„glänzen" soll, glänzen in den Lehrfächern der Schule, glänzen
in der Musik, glänzen in französischer Konversation, und der den
sanften, schüchternen und zarten Knaben daher aufs grausamste
überanstrengt. Die Folge ist natürlich Überspannung der Kräfte
und Rückgang der Leistungsfähigkeit, immer schlechter werdende
Noten — auf des Vaters Seite Zorn und immer heftigere An-
strengungen, die selbstverständlich nur das Gegenteil von dem,
was sie bezwecken, erreichen. Eine besonders schlechte Extem-
poral-Note veranlafst schliefslich den Knaben, aus Furcht vor dem
Vater, statt von der Schule nach Hause zu gehen — fortzulaufen: