Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
358 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
in phantastischen Kostümen weite Dauerradtouren unternimmt, in
einer Stadt nur einkehrt, um schnell Kaffee mit den Kindern zu
trinken, und dann, wie es in einem Zeitungsberichte heifst, die
ganze Schar gleich der wilden Jagd wieder weitersaust, so ist
das nicht mehr gymnastische Erziehung, sondern einfach — grober
Unfug zu Reklamezwecken oder sträflicher Leichtsinn, der bei
keinem pädagogischen Dilettanten, viel weniger bei einem Päda-
gogen von Fach und Beruf — und sei es auch ein praktischer
Reformpädagog nach neuestem englischen Muster — zu entschul-
digen ist.
Neben der Gymnastik kommt aber noch ein anderes Mittel
in Betracht, dessen sich die Erziehung mit Vorteil bedienen kann,
um der Jugend zu körperlicher Geschicklichkeit zu verhelfen, das
ist der Handfertigkeits-Unterricht. Ebensowenig wie die
Gymnastik gehört dieser in die Schule, weil er ebensowenig wie
jene zu der intellektuellen Bildung irgendwelche direkte Beziehung
hat. Die auf seine allgemeine Durchführung hinzielenden Be-
strebungen gehen bis aufComenius, Locke und Rousseau zu-
rück; auch die Philanthropisten und Pestalozzi sind für den-
selben in Wort und Schrift und That eingetreten. In neuerer
Zeit knüpft sich die diesbezügliche Bewegung namentlich an das
Vorgehen des dänischen Rittmeisters Clauson-Caas und an die
Bemühungen des schon einmal genannten Abgeordneten von
Schenckendorff in Görlitz. Mit besonderer Genugthuung ist
die Errichtung eines Handfertigkeits-Seminars in Leipzig zu be-
grüfsen; und es ist sehr zu wünschen, dafs noch mehr derartige
Anstalten ins Leben gerufen werden, deren Aufgabe es ist, tüch-
tige Handfertigkeits - Lehrer heranzubilden: soll der Handfertig-
keits-Unterricht allgemein eingeführt werden, so brauchen wir ja
eine grofse Zahl von geeigneten Lehrkräften. Die allgemeine
Vorbildung derselben wie auch die der Leiter des gymnastischen
Unterrichtes müfste dieselbe wie die aller Erzieher sein: sie müfsten
ebenfalls das Gymnasium und die Universität besuchen, um sich eine
gründliche allgemeine Bildung anzueignen und um mit den Grund-
problemen der Pädagogik sich vertraut zu machen; erst wenn das
geschehen ist, hat die besondere Berufsbildung in der Handfertig-
keit, bezw. in der Gymnastik in entsprechenden Anstalten einzu-
treten. Lehrkurse zur Ausbildung von Turnlehrern giebt es ja
bereits seit längerer Zeit. Der Handfertigkeits-Unterricht nun ist
ein vortreffliches Mittel zur Erzielung körperlicher Geschicklichkeit,
insofern er nämlich eine planmäfsige Übung der sogenannten Muskel-