Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 40. Pflege und gelegentliche Belehrung. 357
alle, hoch und niedrig, arm und reich, zu gemeinschaftlichem Ver-
gnügen, zu gemeinsamer edler Geselligkeit zusammenführen.
Diese Feste wären an die Spiele und gymnastischen Übungen der
Jugend anzuknüpfen, ähnlich, wie es im alten Hellas der Fall
war. Die Pflege der Gymnastik, so betrieben, mit dem öffent-
lichen Spielwesen in Verbindung gebracht und zum Ausgangs-
und Mittelpunkte eines grofsen allgemeinen Festlebens gemacht,
hat, wie man sieht, keineswegs blofs Wert und Bedeutung für
die leibliche Tüchtigkeit, sondern es lassen sich die diesbezüg-
lichen Veranstaltungen auch unter sozialen Gesichtspunkten be-
trachten, wobei man findet, dafs sie in dieser Beziehung von her-
vorragender Wichtigkeit werden können.
Aufserdem lassen sich zu Gunsten der Gymnastik auch noch
mancherlei andere Gründe ins Feld führen. Es kann z. B. gar
keinem Zweifel unterliegen, dafs der Besitz von Kraft und Ge-
schicklichkeit einen günstigen moralischen Erfolg zu bewirken
vermag. Flöfst doch das Bewufstsein, einen kraftvollen und ge-
wandten Körper zu besitzen, Mut und Selbstvertrauen ein und er-
höht das Selbstgefühl. Über die Bedeutung des Mutes aber brauche
ich kein Wort weiter zu verlieren; ein Mensch ohne Mut ist ein
Mensch ohne Wert. Jedoch nicht nur als Schule der Tapferkeit kann
die Gymnastik gelten. Indem sie das Ziel verfolgt, den Leib kraft-
voll und gewandt zu machen, zeitigt sie auch noch andere Tugen-
den, nämlich Energie und Ausdauer, Bedachtsamkeit und Geistes-
gegenwart, ohne die ja weder dieses Ziel erreicht werden kann,
noch wahre Tapferkeit denkbar ist. Manche treffende Bemerkungen
über dieses Thema enthalten die sehr beachtenswerten, leider aber
fast ganz vergessenen Schriften Jägers ,Die Gymnastik der
Hellenen" und „Die neue Turnschule". — Schhefshch darf auch
das nicht übersehen werden, dafs die Gymnastik die ästhetische
Bildung unterstützt. Sie wirkt daraufhin, den Schülern eine
naturgemäfs schöne Haltung in Stellung und Bewegung für das
Leben mitzugeben, mit einem Worte: Kraft und Gewandtheit in
den Dienst der Anmut zu stellen. — Wie bezüghch der Ab-
härtung mufs aber auch hinsichtlich der Gymnastik wiederum
davor gewarnt werden, nicht zu weit zu gehen. Die heutzutage so
beliebte und selbst von sogen. Reform-Pädagogen geübte Forcierung
der Gymnastik ist geradeso vom Übel wie die forcierte Abhärtung.
Die zum Sport ausgeartete Gymnastik ist wertlos; sie sucht
und findet ihren Zweck in Äufserhchkeiten und richtet sich damit
selbst. Wenn der Leiter einer Erziehungsanstalt mit seinen Zöglingen