Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 40. Pflege und gelegentliche Belehrung. 353
§ 41.
Die Pflege soll aber nicht nur das Ziel verfolgen, des Kindes
Gesundheit zu erhalten, zu befestigen und zu stärken, sondern sie
soll ja ferner auch dazu dienen, seinen Leib kräftig und geschickt
zu machen. Die Erziehung zu Kraft und Geschicklichkeit
■wird vorzugsweise durch die Gymnastik, das Wort im weitesten
Sinne genommen, vermittelt. Bekanntlich stand die Gymnastik
als ein unveräufserlicher Bestandteil der Erziehung, fast als deren
wichtigster, zum mindesten grundlegender, bei den Alten, nament-
lich den alten Hellenen in Blüte. Die Gymnastik vollzog sich bei
ihnen in der Palästra oder Ringschule, wo die Knaben im Ringen,
Faustkampf, Speer- und Diskoswurf, Sprung und Lauf geübt wur-
den, und im Gymnasium, wo die Jünglinge diese Übungen fort-
setzten und zugleich in die feinere Technik der Orchestik oder
Tanzkunst eingeführt wurden. Ball- und andere Bewegungsspiele,
Schwimmen, Reiten, Fahren schlössen sich in freierer Weise an.
In ganz besonderem Ansehen standen das Pankration, die Ver-
bindung von Ring- und Faustkampf, und das Pentathlon, der
Fünfkampf, aus Sprung, Wurf mit Speer und Diskos, Wettlauf
und Ringkampf zusammengesetzt. Mit der alten Welt ging die
Gymnastik unter, um erst in den beiden letzten Jahrhunderten in
sehr verwässerter Weise, als Turnkunst, wieder aufzuleben. Mit dem
Christentume kam nämlich eine völhg andere Entwickelung in
die Welt. Dem Griechen war das ganze Leben ein schönes,
heiteres Spiel; dem Christen ist es eine Sache von grofsem Ernste.
Ihm ist das irdische Leben gar nicht das eigentliche Leben, son-
dern nur die Vorübung und Vorbereitung für ein jenseitiges,
überirdisches. Das leibliche Leben kann daher für ihn nicht die
Wichtigkeit haben wie für den Hellenen. Ihm geht die Sorge
für die unsterbliche Seele über alles; wer für die Ausbildung des
leiblichen Lebens allzuviel Sorge zeigt, der wird die Sorge für
die Seele, für das ewige Leben leicht vernachlässigen. „Wer auf
das Fleisch säet', heifst es ja in der „Schrift», „der wird vom
Fleisch das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist säet, der
wird das ewige Leben erben'. Die Vorbilder des Christen sind
die Heiligen, welche auf alles verzichten; die Vorbilder des Grie-
chen waren Achill und Herakles. Allmählich bekehrten sich nun
alle alten Völker und wandten sich ab von der weltlichen Lust,
und die gymnastischen Übungen siechten dahin. — Auch bei den
germanischen Völkern fand das Christentum kriegerische und leib-
liche Übungen vor, und hier vermochte es .sie nicht völlig auszu-
Bergemann, Soziale Pädagogik. 23