Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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344 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Fassen wir nun die eigentliche Pflege, also die Pflege
nach der Geburt des Kindes ins Auge, wobei ich jedoch auf die
erste Pflege des Kindes nicht näher eingehen will, ebensowenig
wie ich dies bezüglich der embryonalen Pflege gethan habe*), so
müssen wir zunächst fragen, was das Ziel derselben sein soll.
Dasselbe ist freilich schon durch den Hinweis auf das Wort des
Seneca im grofsen und ganzen, im allgemeinen bestimmt worden;
aber wir müssen versuchen, es noch etwas genauer zu formulieren.
Da läfst sich sagen: dieses Ziel besteht darin, dafs der Leib ein
guter und vollkommener Diener des Geistes sei. Worin aber,
müssen wir weiter fragen, äufsert sich eines guten Dieners Voll-
kommenheit? Darin, dafs er viel verträgt und leistet, wenig hin-
gegen verlangt. Also: der Leib soll geringe Ansprüche machen,
viel aber vertragen und leisten. Dazu machen ihn drei Stücke
tüchtig: nämlich Gesundheit, Kraft und Geschicklichkeit.
Der gesunde und starke Leib verlangt wenig und leistet viel im
Gegensatze zum kranken und schwachen Leibe; je schwächer der
Körper ist, um so mehr regiert er — je stärker er ist, um so
besser gehorcht er. Es ist die ärzthche Kunst als Diätetik,
welcher die Aufgabe zufällt, die Mittel anzugeben, durch welche
die leibliche Entwickelung zu einer gesunden und normalen sich
zu gestalten vermag. Man kann drei Gebiete der Diätetik
hierbei unterscheiden, sofern in Betracht kommt zunächst die
Ernährung, ferner der Schutz gegen allerlei ungünstige Ein-
flüsse der Umgebung und endlich die Bethätigung aller leib-
lichen Kräfte. Der allgemeine Grundsatz, welcher für alle drei
Gebiete mafsgebend und zu befolgen ist, ist das von Locke und
Rousseau so eindringlich gepredigte „naturam sequi". Wie auf
anderen Gebieten, so ist auch hier die Natur die beste Führerin;
sie strebt nach dem, was nützt, und sucht von selbst, durch Schmerz
und Unbehagen, abzuwehren, was schadet. Im besonderen ist
dabei noch auf folgende Stücke aufmerksam zu machen. Die
Erziehung hüte sich vor einem Übermafs an Härte; denn aus
einem solchen kann unmittelbare Gefahr resultieren, z. B. Krank-
heit u. dgl. m. Sie hüte sich aber auch vor einem Übermafs an
Schutz, vor Verwöhnung, wie man zu sagen pflegt; denn diese
birgt eine mittelbare Gefahr in sich: indem sie den Körper ver-
weichlicht, macht sie ihn schlaff und widerstandsunfähig.
Von grofsem Werte ist die Beachtung der Kost; das Rich-
*) Man vergleiche bezüglich dessen: Ammon, „Erste Mutterpflichten'.