Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 40. Pflege und gelegentliche Belehrung. 343
z. B. im Januar 1888 Neifser 227 Tripperkranke. Selbstver-
ständlich werden die mit solchen kranken Dirnen verkehrenden
Männer ebenfalls krank; und es ist statistisch nachgewiesen, dafs that-
sächlich circa 80®/o der Männer in den Grofsstädten an Gonorrhoe
leiden. Diese Krankheit ist aber in den seltensten Fällen vollständig
heilbar. Die mit ihr behafteten Männer übertragen dieselbe daher
bei der Verheiratung auf ihre Frauen, ruinieren diese und ver-
nichten gleichzeitig die Gesundheit der von ihnen geborenen Kinder.
Dalür diene das Folgende als Beweis. Das Kind einer, von ihrem
Manne infizierten und infolge dessen an Gonorrhoe leidenden Frau
wird wenige Tage nach der Geburt von einer Augenentzündung
befallen, welche der Ansteckung vom Scheidensekret der Mutter
ihren Ursprung verdankt und, sofern nicht gleich etwas dagegen
gethan wird, Erblindung herbeiführen kann. Ebenso beruhen oft
die schliefslich zu Taubstummheit führenden Mittelohrentzündungen
des frühesten Kindesalters auf Infektionen durch das gonorrhoische
Scheidensekret der Mutter. Nicht selten tragen die Männer bei
ihrem wilden Liebesgenufs aber sogar Syphilis davon. So kamen
nach dem Bericht des Chefarztes Dr. Hanisbeck in Mülhausen
im Elsafs in der dortigen Garnison vom 1. April 1878 bis März
1883 390 neue syphilitische Erkrankungen vor. Die Syphilis ist
aber ganz notorisch unheilbar und in hohem Grade vererblich.
Die von syphilitischen Eltern abstammenden Kinder verfallen dem
Siechtum und oft dem Blödsinn, stellen jedenfalls mehr oder
weniger untaugliche Glieder der menschlichen Gesellschaft dar.
Und in all den Fällen, wo geschlechtliche Ausschweifungen nicht
Ansteckungen zur Folge haben, beeinträchtigen sie doch die Ge-
sundheit, worunter ebenfalls wieder die Nachkommenschaft zu
leiden hat, wie dies z. B. Ibsen in seinen „Gespenstern" so er-
greifend schildert. Und alle dem gegenüber sollte nicht eine
Kontrolle derer, die sich verheiraten wollen, angebracht, sollte
eine solche ein unbefugtes Ubergreifen in die individuelle Be-
stimmungssphäre des Menschen sein! Nimmermehr; vielmehr ent-
springt die Ablehnung einer solchen Mafsregel seitens der Männer-
welt nur dem krassesten Egoismus. Wir haben darin nur eines
der vielen Beispiele vom Schutze des Lasters des Mannes durch
den Mann zu erblicken, und ich sehe darin ferner eines der Bei-
spiele, welche so deutlich darauf hinweisen, dafs die Mitwirkung
der Frauen bei Lösung der Aufgaben des ööentlichen Lebens durch-
aus erforderlich ist.*)
*) Man vergleiche hierzu u. a.: Flesch, „Prostitution und Frauen-
krankheiten' und den Vortrag von Herzen, „Wissenschaft und Sittlichkeit'.