Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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342 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
den. Zum mindesten will man von einem solchen Eingriff in die
individuelle Bestimmungs- und Freiheitssphäre nichts wissen. Aber
■wenn man bedenkt, wieviel Elend durch die, von keinerlei weiter-
schauenden, die Zukunft und das Gemeinwohl in den Kreis der
Berechnung ziehenden Erwägungen geleiteten Eheschliefsungen,
die obendrein nur zu oft aus den gemeinsten egoistischen Beweg-
gründen, wie Geld- und Karriereheiraten, entspringen, in die Welt
gebracht wird; dafs dadurch das Interesse der Gesellschaft aufs
ärgste geschädigt wird, da mufs man doch sagen, dafs eine Be-
schränkung der individuellen Freiheit oder besser Willkür durch-
aus nicht unangebracht, sondern vielmehr dringendes Bedürfnis
ist. In der That halte ich dafür, dals es Pflicht der Gesellschaft
ist; dafs es die gesellschaftliche Selbsterhaltungspflicht erheischt,
diejenigen, welche sich verheiraten wollen, einer genauen Kontrolle
zu unterziehen und jedem Paar die Erlaubnis der Eheschliefsung
zu versagen, das nicht die nötige Gewähr für eine gesunde Nach-
kommenschaft bietet.
Einer ganz besonders scharfen Kontrolle müfsten die Männer
unterstellt werden, weil dieselben, sofern sie namentlich dem Alkohol-
und dem wilden Geschlechtsgenufs frönen, in hervorragendem Mafs
die Nachkommenschaft und damit die Gesellschaft gefährden.
Wie schwer die Kinder das Laster der Trunksucht ihrer Eltern
zu büfsen haben; welche Geifsel für die Gesellschaft die Kinder
von Trinkern nur zu oft sind, dafür habe ich schon früher in an-
derem Zusammenhange Daten beigebracht: solche Kinder bringen
die Anwartschaft für das Irrenhaus und das Gefängnis mit auf
die Welt. Nur noch ein paar Zahlen möchte ich hier sprechen
lassen. Lunier fand, dafs bei 507o der Idioten und Imbezillen
gröfser Städte die Eltern Trinker waren, und Dr. Howe fand
unter 300 Idioten Massachusetts' 145, deren Eltern Trinker waren.
Was den anderen Punkt betrifft, so rächen sich die geschlecht-
lichen Ausschweifungen der Eltern nicht minder furchtbar an den
Kindern. Es ist eine Thatsache, dafs fast alle jungen Männer vor
der Verheiratung sich dem wilden Liebesgenusse ergeben. Dabei
kommt es nun sehr häufig vor, dafs die Betreffenden sich venerisch
infizieren. Das kann uns ja keinen Augenblick lang Wunder
nehmen. Hat man doch, wo es gelungen ist, die amthche Unter-
suchung der Prostituierten so durchzuführen, wie es der heutige
Stand der Wissenschaft verlangt, die Thatsache ziffernmäfsig fest-
gestellt, dafs ein volles Drittel derselben jederzeit mit Gonorrhoe
behaftet gefunden wird. Unter 572 Prostituierten in Breslau fand