Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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340 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
meinen, dafs in Zukunft bei gleicher Erziehung, besonders gleicher
Schulung der Knaben und Mädchen beider Intelligenzen werden
gleichartig werden; das wäre auch gar nicht einmal wünschens-
wert: vielmehr sollen sie sich in ihrer Verschiedenartigkeit gegen-
seitig ergänzen. Sind also nicht und werden nie gleichartig sein
die Intelligenzen von Mann und Weib, teils infolge ursprünglich-
natürlicher Anlage, teils infolge von Variationen, die sich unter
dem Einflüsse historischer Faktoren herausgebildet haben und kon-
stant geworden sind, so sind sie doch, worüber gar kein Zweifel
mehr herrschen kann, gleichwertig.
Schliefslich will ich noch kurz auf eine, allerdings mehr den An-
strich einer gewissen Kuriosität habende Eigentümlichkeit hin-
weisen, worin sich ebenfalls ein Unterschied zwischen dem männ-
lichen und dem weiblichen Geschlechte kund thut. Es ist fest-
gestellt worden, dafs die „audition colorée», welche darin besteht,
dafs ein Klang dem Hörenden sofort und unwillkürlich auch eine
bestimmte Farbe vor das innere Auge bringt, ferner andere ähn-
liche Empfindungsassoziationen, wie z. B. farbiges Riechen und
Schmecken, farbige Tast- und Bewegungsempfindungen, alsdann
auch Assoziationen von Farben mit Namen und Zahlen, endlich
Zahlenphantasmen, nach Galton „number-forms», das sind „plötz-
liche automatische Erscheinungen einer deutlichen und unveränder-
lichen Figur in dem geistigen Blickfelde, in der jedes Zahlen-
zeichen einen bestimmten Platz hat, sobald eine Zahl vorgestellt
wird' — dafs also alle diese Erscheinungen sich gar nicht selten
bei Kindern, Knaben und Mädchen, finden, bei den letzteren aber
noch häufiger als bei den ersteren, wie sie auch bei erwachsenen
weiblichen Personen öfter vorkommen als bei Männern. An dem
amerikanischen Mädchenkollege in Wellesley ergab die Unter-
suchung von Mary Whiton Calkins an 543 Mädchen audition
colorée bei 6®/o und diese Erscheinung oder Zahlenphantasmen
oder beides zusammen bei IS^/o. Bei weiteren Erhebungen an
im Herbst 1892 eintretenden Schülerinnen waren unter 203 Mäd-
chen 32, also 15,7 "/o, Farbenhörer, 61, also 30,2 "/o, hatten Zahlen-
phantasmen, nur 17, also 8,4o/o, besafsen beide Eigentümlich-
keiten. Entsprechend eingehende Untersuchungen an Knaben und
Jünglingen liegen zwar nicht vor, jedoch läfst die im allgemeinen
gemachte Erfahrung durchaus darauf schliefsen, dafs es sich so
verhält, wie angegeben, dafs eben jene Erscheinungen bei Mädchen
verbreiteter sind als bei Knaben und Jünglingen — wohl ein
Beweis für die gröfsere Nüchternheit dieser.