Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 339
soziale Sinn stärker entwickelt ist als beim männlichen Ge-
schlechte, spricht u. a. der Umstand, dals bei Mädchen die Ge-
meinsamkeit der Ideen gröfser ist als bei Knaben. So ergaben
Assoziations-Versuche an Gymnasiasten und Gymnasiastinnen eine
gröfsere Zahl gemeinsamer Assoziationen bei Mädchen als bei
Knaben. Bei Wort - Aufschreibe-Versuchen haben die Mädchen
immer mehr gemeinsame Worte als die Knaben; bei einem
diesbezüglichen Versuch kamen von 1266 nur einmal sich finden-
den Worten 29,8"/o auf die letzteren, 20,8"/o auf die ersteren.
— Sehr interessant ist das Ergebnis einer von Professor Stanley
Hall an mehreren hundert amerikanischen Kindern über ihre Be-
griffe von Recht und Unrecht vorgenommenen, sehr sorgfältigen
und im „Pedagogical Seminary" 1891 niedergelegten Untersuchung.
Die Antworten der Mädchen weichen bald mehr bald weniger von
denen der Knaben ab. Mädchen nennen häufiger spezielle und
doppelt so oft als Knaben konventionelle Handlungen: erstere
namentlich, wenn es sich um Dinge handelt, die Recht, letztere
bei solchen, die Unrecht sind. Knaben sagen z. B., dafs es Unrecht
sei zu stehlen, zu schlagen, zu stofsen, Fenster einzuwerfen, sich
zu betrinken, andere mit Stecknadeln zu stechen, sie zu schimpfen
und auf sie zu schiefsen — Mädchen hingegen meinen, es wäre
Unrecht, sich nicht zu kämmen, Butterflecke in seine Kleider zu
machen, auf Bäume zu klettern, Fliegen zu fangen, zu schreien
u. dgl. m. Es stimmt das also in etwas mit den auf intellek-
tuellem Gebiete gemachten Beobachtungen überein. Jedoch möchte
ich darauf aufmerksam machen, dals bezüglich des zuletzt Be-
sprochenen ganz entschieden der Einflufs der Erziehung, welche
stets darauf gerichtet ist, das weibliche Geschlecht zur Aner-
kennung gewisser konventioneller Vorbilder anzuleiten, in Rech-
nung gezogen werden mufs. Überhaupt bin ich der Ansicht, dafs
man darauf ganz allgemeinhin, bei allen Versuchen, welche auf
die Feststellung von geistigen, intellektuellen und moralischen,
Unterschieden der Geschlechter abzielen, achten und Rücksicht
nehmen mufs und zwar in doppelter Beziehung, sofern es sich
nämlich um die Gegenwart nicht nur, sondern auch um die Ver-
gangenheit handelt. Die Erziehung der Knaben und Mädchen,
namentlich auch in intellektueller Hinsicht, ist ja immer, seit
Jahrhunderten, ja Jahrtausenden, so verschieden voneinander ge-
wesen, dafs manche der Unterschiede, die sich uns heute bei
unseren Beobachtungen und Experimenten ergeben, sicherlich
darauf zurückzuführen sind. Natürlich ist es ganz verkehrt, zu
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