Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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338 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
der Medizin z. B. beim Examen in der Physiologie und allge-
meinen Pathologie geradezu glänzen und darin eine Klarheit der
Auffassung von Thatsachenreihen zeigen, welche fast frappierend
wirkt; in klinischen Untersuchungen stehen sie hingegen hinter
den männlichen Studenten zurück. Ganz ähnlich wie Lafitte ur-
teilt auch Jastrow, der auf Grund vielfacher sorgfältiger Unter-
suchungen an männlichen und weiblichen Studenten zu dem Er-
gebnisse kommt, dafs beim weiblichen Geschlecht ,ein entschiede-
nes Interesse für die unmittelbare Umgebung, für das fertige Pro-
dukt, für das Dekorative, Individuelle und Konkrete", beim
männlichen sich „eine Vorliebe für das Entferntere, für das im
Werden Begriffene, das Nützhche, Allgemeine und Abstrakte"
geltend macht. Ganz Ahnliches fanden wir ja auch bereits bei
den in die Schule eintretenden Kindern. Die Überlegenheit des
weiblichen Geschlechtes in allem, was das Gedächtnis anbetrifft,
hat Jastrow übrigens auch experimentell bewiesen, im besonderen
dui'ch die Untersuchungen, welche er an männlichen und weib-
lichen Gymnasiasten in Milwaukee anstellte. Endlich ist noch
erwähnenswert, dafs sich bei, an Studenten und Studentinnen vor-
genommenen Assoziations-Versuchen ergeben hat, dafs das weib-
liche Geschlecht die Assoziationen vom Ganzen zum Teil und vom
Objekt zur Qualität, das männliche die vom Teil zum Ganzen
und durch Schall bevorzugt.
Hinsichtlich der Entwickelung der Geschlechter in mora-
lischer und sozialer Hinsicht kann man nach den gemachten
Beobachtungen im allgemeinen sagen, dafs die Mädchen leichter
zu erziehen, sittsamer, geselliger und häuslicher sind als die
Knaben. Roussel hat die Bestrafungen der Knaben und Mäd-
chen in verschiedenen belgischen Schulen miteinander verglichen
und darüber berichtet in seiner „Enquête sur les Orphelinats".
Folgende Daten sind daraus zu entnehmen. Im ganzen wurden in
den Jahren 1860—1879 31 "/o Knaben gegen 26»/o Mädchen be-
straft. Unter 100 Knaben wurden 9 bis 10 wegen kleiner
Diebereien bestraft, hingegen von 100 Mädchen keines. Von 100
Knaben wurden ferner 54, von 100 Mädchen nur 17 wegen
Streitereien und Schlägereien bestraft. Was den Fleifs der beiden
Geschlechter angeht, so fand Riccardi bei seinen Untersuchungen
die Mädchen fleifsiger als die Knaben, womit ja auch die all-
gemeine Erfahrung der Pädagogen übereinstimmt; Roussel hin-
gegen fand die Mädchen fauler als die Knaben: die Zahlen ver-
halten sich bei ihm wie 21 : 2. Dafür, dafs bei Mädchen der