Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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332 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Gedanken umgestaltenden, nach den eigenen Wünschen ummodeln-
den Phantasie, ruft die Neigung zur Uberschwenglichkeit her-
vor, erzeugt ein die Wirklichkeit überfliegendes und meistern-
wollendes Wesen, führt oft zu vorschnellem und unreifem Ab-
urteilen über das Gegebene und zu einem unklaren und stürmischen
Thatendrange, der die Welt auf den Kopf stellen und nach den
eigenen höchst willkürlichen Träumen aufbauen möchte. Unter
einer weisen, so viel als möglich unaufdringlich erscheinenden,
zurückhaltenden Leitung läutert sich aber die Phantasie allmählich
mehr und mehr und beginnt jetzt langsam, als wahrhaft schöpfe-
rische Kraft sich offenbarend, eine Idealwelt herzustellen,
welche auf dem sicheren Untergrunde der gegebenen Weltwirk-
lichkeit ruht und, indem sie anderseits doch darüber hinausgeht,
gleichzeitig dem Streben des reifen Menschen ein festes Ziel, des
Schweifses der Edlen wert, steckt. Eine treffende kurze Charakte-
ristik dieser Altersstufe findet sich in Erdmanns psychologischen
Briefen, worauf ich hier zum Schlufs noch aufmerksam machen
möchte. Es heifst daselbst u. a.: ,Wenn bei dem Knaben alles auf
passiven Gehorsam hinwies, so bei dem JüngHng auf Selbstthätig-
keit und auf Veränderung des Gegebenen. Der feige Müfsiggang ist
darum hier der Anfang aller Laster. Ihm ist es unmöglich, rein
zu perzipieren. Er verändert und verschönert, was er wahrnimmt,
und sieht darum alles im poetischen Lichte. Diese Stimmung,
die, charakteristisch genug, der Nüchternheit entgegengesetzt zu
werden pflegt, ist gleichweit entfernt von dem unbefangenen Per-
zipieren des neugierigen Knaben und dem gewissenhaften und
kritisch vergleichenden Beobachten des Mannes, bringt Reize zu
dem gesehenen Gegenstande hinzu, die jener, noch nüchtern, nicht
ahnt, dieser ernüchtert, oft traurig vermifst.'
§ 39
Ich wende mich jetzt schliefslich noch zur Betrachtung einiger
besonders interessanter Geschlechtsunterschiede in diesen beiden
Perioden des Lebens, von denen zuletzt die Rede war. Zunächst
möchte ich hinweisen auf mehrere Verschiedenheiten körper-
licher, namentlich physiologischer Natur, welche im Puber-
tätsalter zu Tage treten. Dafs die Geschlechsentwickelung beim
weiblichen Geschlecht eher einsetzt als beim männlichen, ist schon
hervorgehoben worden. Ebenso wissen wir bereits, dafs ganz all-
gemeinhin die Ernährung einen gewissen Einflufs, was Dauer und
Beschleunigung anlangt, auf dieselbe ausübt. Es ist nun eine