Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 331
Autoritätstriebe zu setzen. Wie es falsch wäre, ihn schrankenlos
sich entfalten zu lassen, so wäre es auch vollständig verkehrt, ihn
gewaltsam zu unterdrücken und der Verkümmerung anheimfallen
zu lassen. Endlich sei darauf noch hingewiesen, dafs in dieser
Zeit, namentlich in der Periode des Alters von 10 bis 16 Jahren,
sich die leidenschaftlichen Knaben- und Mädchenfreundschaften zu
bilden pflegen, bei denen man gemeinsame Luftschlösser baut
und von einer fast mystischen Lebensgemeinschaft mit dem anderen
träumt. Der Freund giebt sich ganz dem Freunde hin, und einer
verklärt den anderen mit einer Art von Heiligenschein; einer er-
blickt in des anderen Achtung den Lohn für all sein Streben;
jeder sieht in rührender Bescheidenheit als höchstes Ziel das an,
dem anderen immer ähnlicher zu werden. Ja, es entstehen geradezu
wahre Dichtungen voll der innigsten Zärtlichkeit zwischen zwei
geplagten, über einer mathematischen Aufgabe oder einer Über-
setzung brütenden Schuljungen.
Zur Charakteristik der letzten Epoche der Erziehung, des
Jünglings- und Jungfrauenalters mögen nur wenige kurze Be-
merkungen hier Platz finden. Wir nehmen nunmehr ein stärkeres,
ja bisweilen ein geradezu einseitiges Hervortreten des sub-
jektiven Selbst und der subjektiven Eigenart, ein
energischeres Betonen der Selbständigkeit wahr. Wie der Mensch
dieser Altersstufe sich nicht mehr so harmlos und unbefangen den
Einflüssen der äufseren Umgebung hingiebt, so läfst er sich auch
weit schwerer von seinen Erziehern, überhaupt von Erwachsenen,
welche diese Absicht unverhohlen kundgeben, leiten. Er be-
schäftigt sich vielmehr vorwiegend jetzt mit sich selbst, beobachtet
sein Innenleben und die Eindrücke, welche er von aufsen her und
von anderen Persönlichkeiten empfängt. Welt und Menschen haben
sozusagen für ihn nur Bedeutung, sofern sie starke innere Er-
regungen hervorzurufen imstande sind, welche ihn kräftig in seiner
Selbstheit „sich fühlen" lassen. Daraus erklärt es sich auch, dafs
der Mensch dieses Alters trotz seiner Neigung, erziehlichen Ein-
flüssen sich zu entziehen, leicht geneigt zu enthusiastischer
Schwärmerei für Personen ist, welche starke Eindrücke auf ihn
hervorzubringen geeignet sind, sei es nun durch hervorragende
und glänzende Gaben des Intellektes, sei es durch besondere
Energie, durch Mut, Ausdauer und Tapferkeit, sei es endlich durch
eigenartige Erlebnisse. Die angezogene Eigentümlichkeit bedingt
aber ferner auch das Vorherrschen einer gewissen sentimentalen
Stimmung und das Vorwalten der die Dinge nach den eigenen