Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
16 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
tümliche Keimkörperchen, welche so klein sind, dafs sie durch alle
Gewebe das menschlichen Organismus hindurchdringen können.
Diese Keimkörperchen sind zunächst entwickelungsunfahig; aber sie
haben Verwandtschaft zu ihres Gleichen, d. h. sie vereinigen sich
mit anderen zu Sexualzellen. Die Eigenschaften, die generellen
wie die individuellen des betreffenden Organismus, in welchem
diese Zellen sich gebildet haben, sind in ihnen alle, gleichsam
konzentriert, enthalten; aber sie sind zunächst latent, gebunden.
Sie werden jedoch frei und entwickeln sich, wenn Sexualzellen
verschiedener Art, männliche und weibliche, zusammentreffen,
indem dann erst die Sexualzellen entwickelungsfähig werden. Diese
Hypothese trägt die Annahme der Vererbung erworbener Charaktere,
welche Darwin für den Entwickelungsprozefs der Arten für ge-
boten hält. Die Vererbung erworbener Charaktere bestreitet
Weis mann; noch mehr: er vertritt die Ansicht, dass in wahrem
Sinne erworbene Abänderungen bei dem Entwickelungsgange der
organischen Welt überhaupt nicht vorkommen. Was man er-
worbene Eigenschaften nenne, beruhe auf individueller Keimes-
Variation, habe eine Variabilität der chemischen und physikalischen
Molekular-Struktur der Keimzellen zur Voraussetzung. Das scheint
mir durchaus zutreffend zu sein; auch ich kann mir nicht denken,
dass irgendwelche Eigentümlichkeiten im Verlaufe des individuellen
Lebens sich herausbilden können, welche nicht auf eine prästabilierte
Anlage zurückweisen. Natürlich können z. B. durch Verwundung
Verstümmelungen entstehen; die Menschen können im Kriege ihre
Beine und Arme verlieren, und niemand wird in solchen Fällen
von einer prästabilierten Anlage, von einer ursprünglichen Dis-
position zu sprechen so thöricht sein. Dergleichen fällt aber auch
gar nicht unter den Begriff Charaktere oder Eigenschaften. Nur
solche Eigentümlichkeiten, welche als Ergebnisse natürlicher Ent-
wickelung sich einstellen, wie Talente, Perversitäten, hellere oder
dunklere Haar- oder Hautfarbe, können als Charaktere oder
Eigenschaften bezeichnet werden, nicht aber Eigentümlich-
keiten, welche durch brutale Einfälle in den Organismus, wenn
ich so sagen darf, entstanden, welche blosse Zufallsprodukte
sind. Damit wird nicht die variierende Einwirkung äufserer
Faktoren, die ich auf Grund der Erfahrung als thatsächlich
gegeben ansehe, in Abrede gestellt, wie man meinen könnte, son-
dern es wird damit nur behauptet, was aus logischen Gründen eigent-
lich selbstverständlich ist, dafs die variierende Einwirkung äulserer
Faktoren nur soweit reicht, als es die ursprüngliche Anlage, die